Sonntag, 4. Dezember 2016

Textremisten! Autorenlesung in der Kleinen Weltlaterne

Nach dem großen Erfolg des Vorjahres werden wir auch 2016 wieder mehr oder weniger Weihnachtliches aus den heimischen Ideenküchen servieren.



Übrigens, man kann ja der Frage nach Weihnachtsgeschenken zurzeit kaum aus dem Weg gehen, daher ein kleiner Tipp: Viele der Autor(inn)en bringen Exemplare ihrer Buchveröffentlichungen mit.

Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Branchentreff




  • Muss jeder Autor noch einen "Brotjob" haben, der schlimmstenfalls nicht mal ansatzweise etwas mit Wörtern zu tun hat? 
  • Wie können sich Schreibende am Markt positionieren und ihre "Marke" festigen?
  • Lohnt es sich, in der Künstlersozialkasse und bei der VG Wort Mitglied zu werden?
  • Welche Netzwerke gibt es in Berlin?
  • Wie ist es eigentlich um Fördermittel und Stipendien für literarische Projekte bestellt?


Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Fragen, die auf dem Ersten Berliner Branchentreff Literatur besprochen und beantwortet werden.

Vom 2. bis zum 4. Dezember gibt es in der Lettrétage am Mehringdamm 61 Workshops, Netzwerkpflege, Diskussionsrunden, Vorträge und Beratung für freiberuflich Schreibende. Der Link oben verweist auf das ausführliche Programm.

Unbedingt empfehlenswert!

Samstag, 26. November 2016

B wie BrewDog: eine Love Story in 5 Kapiteln

Das Buch


Im vergangenen Sommer beauftragte mich der Redline Verlag in München, das Buch Business for Punks von James Watt ins Deutsche zu übersetzen. Eine willkommene Abwechslung, denn anders als in den sonst eher trockenen Business-Büchern wird hier auch mal deftig geflucht, sarkastisch gewitzelt und verschmitzt mit den Augen gezwinkert.

James Watt und sein bester Freund Martin Dickie begannen 2004 in der sprichwörtlichen Garage mit dem Brauen von Bier, immer dabei ihr Hund, der dem Unternehmen später zum Namen verhalf. Mit Witz, Frechheit und unkonventionellen Geschäftsideen bahnten die beiden Punks sich ihren Weg nach ganz oben. Mittlerweile betreiben sie rund 50 BrewDog-Bars weltweit, haben über 500 Mitarbeiter und mehr als 30.000 Anteilseigner.

Wie man sich selbst treu bleibt, Fans statt Käufer gewinnt und dabei rasante Erfolge erzielen kann, beschreibt James in Business für Punks auf amüsante und typisch britische Art. Das Buch wurde inzwischen in 15 Sprachen übersetzt, und wie James mir erzählte, sollen die meisten Übersetzer über diese Arbeit gestöhnt haben. Keine Ahnung wieso, ich hab davon nur Durst bekommen!

Leser und Autor





Finde die Unterschiede!


Die Bar


Im November hat nun endlich auch in Berlin eine BrewDog-Bar ihre Zapfhähne geöffnet. Das lange Warten hat sich gelohnt. In der Ackerstraße 29 in Mitte findet der durstige Gast eine großzügige, gemütlich eingerichtete Location; an wärmeren Tagen kann er auch vor der Tür oder hinter dem Haus im Biergarten trinken und essen.

Drinnen wie draußen: Ackerstr. 29

Trinkstrategisch die günstigste Position

Hier kann man auch Grundlagen schaffen
 
Alter: gemischt

Rot und Gold mit WLAN

Lauschige Nischen für intimere Bedürfnisse

Wo gibt es so was schon noch?!

Networking included



Der Boss


Zur Eröffnung war auch TopDog James Watt angereist – um seine Berliner Biertrinker persönlich zu begrüßen, mit allen mal ein Schwätzchen zu halten, sein Buch zu signieren und bei einer Lokalrunde (ausgeschenkt wurde der Headliner Punk IPA) auf die Theke zu springen, um eine kleine Ansprache zu halten.

James ist so bodenständig, freundlich und charmant, wie man das als Chef eines internationalen Imperiums überhaupt sein kann. Und was die Berliner besonders begeisterte: Er spricht hervorragend und praktisch fehlerfrei Deutsch. (Das Geheimnis: ein sechsmonatiger Aufenthalt in Dortmund und eine deutsche Exfreundin.)


Fantalk

Konzernchef zum Anfassen



So sieht ein zufriedener Barbesitzer aus

Auf eine glänzende Zukunft!





Und schwupp! 

Das Bier


Natürlich braut auch BrewDog nach dem Reinheitsgebot. Trotz ihrer schrägen Namen wie Dead Pony Club, Cocoa Psycho oder Elvis Juice finden sich in BrewDog-Bieren keinerlei Zusatz- oder Konservierungsstoffe, nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Dass sie trotzdem eine absolute Geschmackssensation darstellen und – genau wie edle Weine – an Mango, Rauch, Lychee oder Schoko-Vanille erinnern, ist eben das Geheimnis ganz großer Braukunst!

Übrigens bekommt man bei BrewDog Berlin nicht nur 30 Biere vom Fass, sondern auch jede Menge Flaschen- und sogar Dosenbiere, sowohl von BrewDog als auch von anderen Craft-Beer-Brauereien. Konkurrenzdenken gibt es in dieser Branche offenbar nicht. Wie James mir erzählte, ist er befreundet mit dem Inhaber von Stone Brewing, einer amerikanischen Craft-Beer-Brauerei mit ebenfalls sehr empfehlenswerter Gastronomie in Berlin-Mariendorf, die Platz für 1.200 Gäste bietet. James hat ihr unmittelbar vor der abendlichen Eröffnung seiner eigenen Bar noch einen Besuch abgestattet. Witzig: So wie BrewDog sich am Punk orientiert, spielt Stone Brewing mit der Rocker-Ästhetik.

Ehe der Gast aus der BrewDog-Bar torkelt, sollte er sich unbedingt noch ein paar Andenken mitnehmen: gut gekühlte Craft-Beer-Flaschen oder -Dosen aus aller Welt für die Heimfahrt oder BrewDog-Merchandising wie T-Shirts, Schlüsselbänder, Flaschenöffner, Badges und Aufkleber für zu Hause.

Zum Mitnehmen

Jederzeit gern!

Hier gibt's auch was für Zöliakisten

Sieht gruselig aus, schmeckt aber lecker


Die Belohnung



Übersetzen macht Spaß, ist aber auch knallharte Arbeit, besonders bei knappen Deadlines, die ihren Namen keineswegs zufällig tragen. Da macht es natürlich doppelt Freude, wenn diese Leistung später honoriert und anerkannt wird, nicht nur in Form einer bezahlten Rechnung, sondern auch – wie bei BrewDog – in Naturalien. 

Meine persönliche Belohnung bestand in einem „Flotten Vierer“: je 0,2 Liter der BrewDog-Headliners Punk IPA (mein Favorit!), Dead Pony Club, 5am Saint und Jet Black Heart, einschließlich einer liebevoll handschriftlich notierten Namensliste, damit man weiß, was am meisten flasht. Hinzu kam dann noch die Lokalrunde, und ich kann sagen, dass ich nicht mehr ganz nüchtern war, als ich den langen Heimritt antrat. 

Aber eins kann ich versichern: BrewDog und Kater passen so wenig zusammen wie Hund und Katze! 

Kein Bier, sondern vier
James Watt: Business für Punks. Brich alle Regeln! Aus dem Englischen von Jordan T. A. Wegberg. Redline Verlag 2016, 256 S., 19,99 Euro

BrewDog Bar, Ackerstr. 29, 10115 Berlin, Öffnungszeiten: 10 bis 0 Uhr, Fr/Sa 10 bis 2 Uhr

Mittwoch, 23. November 2016

Archive live im Admiralspalast


"The False Foundation" heißt das neue Album der britischen Post-Punk-Psychedelic-Band Archive, und es bildete den Schwerpunkt ihres Live-Auftritts im Admiralspalast.


Die Grundstimmung ist ruhiger, fließender, aus meiner Sicht leider auch ein bisschen langweiliger als auf den Vorgängeralben.


Nach wie vor beeindrucken die großartigen Stimmen, die hypnotischen Loops und der unverkennbare Einfluss von Pink Floyd in ihren besten Zeiten.


Begreiflicherweise standen die neuen Songs im Vordergrund, aber es wurden auch Klassiker wie Hatchet, Bullets und Controlling Crowds gespielt. Das Publikum dankte es mit Begeisterungsrufen und Jubel.


Wie bei Archive-Livekonzerten üblich, gab es nur sehr wenig Kommunikation mit dem Publikum. Vielleicht einer der Gründe, warum die Show stellenweise sehr statisch wirkte, trotz der großartigen Backdrops und Lichteffekte.


Wie gewöhnlich gab es zum Abschied des zweistündigen Livekonzerts den Klassiker Again als Acoustic-Version - der kann zwar dem Original von "You all look the same to me" (2002) nicht das Wasser reichen, wird aber trotzdem immer wieder sehnsüchtig erwartet.


Entsprechend warm fiel auch der Abschied aus. Die Fans jubelten und lieferten Standing Ovations, und die Band verabschiedete sich sichtlich gerührt von den "wonderful Berliners".

Montag, 21. November 2016

1. Queer Convention auf der Buch Berlin 2016


Mit einer Vorbereitungszeit von nur wenigen Monaten haben der Dead Soft Verlag und der Cursed Verlag eine zweitägige Queer Convention der Top-Klasse vorbereitet, organisiert und zu einem gelungenen Event gemacht.

Äußerer Rahmen war die 3. Buch Berlin, eine inzwischen schon etablierte und alljährlich vielfältiger werdende Buchmesse, die immer wieder ihren Standort wechselt. Dieses Jahr hatte sie eine Heimat im Estrel Hotel gefunden. 

Knapp 10 Euro in Naturalien
Auch wenn die Preise für das Catering so manche Schmerzgrenze überschritten, boten doch Ambiente und professionelle technische Voraussetzungen den idealen Rahmen für die Messe ebenso wie für die Convention. 

Nicht ganz voll, aber voll konzentriert (Foto: Inge Beer)

Im Rahmen der QueerCon fanden Lesungen, Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen statt. Zielgruppe waren Leser(innen) und Autor(innen) von queerer Literatur. Auch Verlage – neben Dead Soft und Cursed waren dies unter anderem Forever, MAIN, Himmelstürmer, Sieben und Gmünder − hatten die Möglichkeit, neue Titel aus ihren Programmen zu präsentieren.

Thorsten Falke präsentierte seinen Roman Midlife Lover
Auf viel Interesse bei Lesern, Fans und Autoren stießen die Panels zu den Themen Gay Fantasy, Internationale Autoren am deutschen Buchmarkt, Social Media, Herausgeber und der immer wieder beliebten Frage, wer eigentlich Gay Romance schreibt und warum.

Jobst Mahrenholz (nicht im Bild), Jordan T. A. Wegberg, Anne Sommerfeld, Julia Schwenk, Caroline Funke und Claudia Schuster: "New Market"

Kai Brodersen, Jordan T. A. Wegberg, Matthias Höhne, Julia Schwenk, Caroline Funke und Claudia Schuster: "Meet the Editor"

Sehr gut besucht waren auch die Vorträge, die sich in erster Linie an Schreibende richteten.

Tanja Steinlechner

Tanja Steinlechner von der Autorenschule Schreibhain gab Anregungen für literarische Inspirationen, forderte dazu auf, sich der eigenen Schreibstärken bewusst zu werden, und verriet Praxistipps für kreatives Arbeiten. Eckpunkte der eigenen Biografie, Moodboards, ein Ideenarchiv und das Aufschreiben von Erinnerungen sind nur ein paar Beispiele aus ihrem umfangreichen Werkzeugkasten.

Stefan Dambach




Stefan Dambach beschäftigte sich in seiner Präsentation mit der Frage, wie Storytelling mehr werden kann als nur das reine Verfassen von Romanen. Schließlich geht es gerade für Schriftsteller immer auch um die Frage, wie man sich am Markt positionieren kann, idealerweise ohne auf völlig „artfremde“ Brotjobs zurückgreifen zu müssen, mit denen man sich dann die freien Stunden für literarisches Arbeiten finanziert.



Jordan T. A. Wegberg


In meiner eigenen Präsentation versuchte ich mit den gängigen Vorurteilen über Lektoren aufzuräumen. Braucht man die eigentlich? Was können sie, was der Autor nicht selbst kann? Verkauft man ihnen seine Seele, wenn man ihnen das eigene Manuskript anvertraut? Was genau machen die eigentlich damit, und wie kann man sich wehren, wenn sie es entstellen?





Hat Spaß gemacht!






Ein rundes Programm machte die allererste Queer Convention zu einem erfreulichen Erfolg, und der Wunsch nach Folge II im kommenden Jahr wurde immer wieder geäußert. Ich bin gerne wieder dabei!

Samstag, 29. Oktober 2016

Die Gewinnerin des Schreibwettbewerbs von tolino media und Carlsen im Interview

Geschwister? Nein. Gewinnerinnen? Ja!
Das eigene Manuskript als gedrucktes Buch, Verlagsvertrag inklusive - eine verlockende Perspektive für viele Nachwuchsautor(inn)en. tolino media und der Carlsen Verlag boten diese Belohnung für den Gewinner ihres im Dezember 2015 gestarteten Schreibwettbewerbs. Voraussetzung war die Einsendung eines Jugend- oder All-Age-Romanmanuskripts. 

Die Beteiligung war mit knapp 200 Einreichungen überraschend gering. 31 Manuskripte wurden von der Jury in die Longlist gewählt, 10 in die Shortlist. Damit waren auch die drei männlichen Autoren, die es zumindest noch in die erste Auswahl geschafft hatten, endgültig aus dem Rennen. 

Nun musste die Entscheidung zwischen zehn jungen Autorinnen gefällt werden, die sich in der Mehrzahl für englischsprachige Romantitel entschieden hatten.


Dies trifft auch auf die drei Gewinnerinnen zu. Jeweils eine E-Book-Veröffentlichung erhalten Anna Savas für Forbidden Love und Kathrin Wandres für In Between.

Der Hauptpreis ging an Laura Kuhns Manuskript We could be heroes. Die 20-jährige Preisträgerin beantwortete mir im Interview einige Fragen.

Für diesen Wettbewerb musste ja ein komplettes unveröffentlichtes Romanmanuskript eingereicht werden. Nicht jeder hat so was zu Hause rumliegen … Wie war das bei dir?

Ich hatte es tatsächlich zu Hause rumliegen. Geschrieben habe ich den Roman vor ungefähr drei Jahren, für mich. Irgendwann hatte ich so viel Zeit und
Aufwand in die Überarbeitung gesteckt, dass ich ihn nicht mehr nur für mich behalten wollte, und genau in dem Moment bin ich über den Wettbewerb gestolpert. Es hat einfach gepasst.

Hast du beruflich auch mit Büchern zu tun?


Momentan mache ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Was danach dran ist, weiß ich noch nicht, aber es würde mir sehr gefallen, im Lektorat eines Verlages zu arbeiten. Sollte ich mal studieren, dann wird es wohl Germanistik werden.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben für dich?

Ich plane keine Zeiten ein, in denen ich schreibe, das passiert einfach. Das Schreiben hat für mich einen sehr hohen Stellenwert, da es mein Weg ist, mich mit mir auseinanderzusetzen und etwas loszuwerden, was sich auf keine andere Art loswerden lässt. Ich erinnere mich an ein Mal, als ich auf dem Bahnsteig saß und die Rückseite des Konzerttickets vollkritzeln musste. Das sind die Momente,
in denen die für mich am echtesten und wichtigsten Texte entstehen.

Ich glaube, man kann aus allem, was einem passiert, etwas lernen oder etwas mitnehmen. Besonders aus Dingen und Begegnungen, die einem fremd sind und vielleicht sogar Angst machen oder Desinteresse wecken, das sind oft Dinge, aus denen ich persönlich am meisten lernen kann.

Bist du Autodidaktin? Engagierst du dich in Autorennetzwerken?


Mit dem Schreiben an sich habe ich mich abgesehen vom Schulunterricht nie auseinandergesetzt, und ich engagiere mich auch in keinen Netzwerken. Aber durch das Lesen ganz unterschiedlicher Werke anderer Leute kriege ich immer mehr eine Ahnung davon, was man mit Texten alles machen kann.

Kannst du den Inhalt von We could be Heroes kurz zusammenfassen?


Es ist nicht einfach, herauszufinden, wer man ist, und das Wichtigste im eigenen Leben vor Veränderung zu schützen. Das erfährt Lou, als ihre beste Freundin Natalie von ihren Gefühlen für sie erfährt und die vertraute und starke Freundschaft zwischen ihnen daran zu zerbrechen droht. Lou nutzt die nächste sich bietende Chance, um dem Konflikt zu entgehen.

Doch Lou entkommt dem Chaos in ihr nicht. Sie begegnet dem schönsten Mädchen der Welt, und langsam kommt der Mut in ihr auf, sich endlich sich selbst zu stellen. Doch da scheint plötzlich auch die tiefe Beziehung zu ihrem Bruder Tom gefährdet, und Lou muss sich fragen, was wichtiger ist: Tom
 oder sich selbst endlich so annehmen zu können, wie sie ist?

Mitsamt der Jury: Strahlen für die Presse



War das ein Thema, das dir lange am Herzen lag?


In dem Roman steckt sehr viel Persönliches, und viele Erfahrungen habe ich genau so gemacht, unter anderen Umständen. Mir ist es sehr wichtig, dass es
immer Bücher geben wird, die davon erzählen, wie es ist, Angst vor den eigenen Gefühlen zu haben und sich selbst fremd zu sein. Ich glaube auch, dass das auf unterschiedliche Art und Weise etwas ist, das wir alle kennen.

Hast du noch weitere (Roman-)Projekte in Arbeit oder sogar schon fertig?


We could be heroes ist bis jetzt mein einziger Roman, und so richtig angefangen habe ich keinen weiteren. Aber ich weiß selbst nicht, ob nicht morgen oder in zwei Wochen oder in einem halben Jahr der nächste Blitz einschlägt und ich wieder über den Kurztext hinausschreibe.