Mittwoch, 16. Dezember 2015

Verräterische Steckdosen - Victoria Schwartz bei #microsoftliest

Dass Internet-Bekanntschaften nicht immer halten, was sie versprechen, weiß so ziemlich jeder, der regelmäßig im Netz unterwegs ist. Hier tummeln sich Betrüger, Abzocker und Hochstapler jeglichen Niveaus. Zum Glück haben sie einige gemeinsame Merkmale, mit deren Hilfe sie sich relativ leicht erkennen und enttarnen lassen. Oder?

Eine Veranstaltung im Rahmen der Lesereihe #microsoftliest, bei der Autoren ihre Bücher mit IT-Bezug vorstellen, ließ daran einige Zweifel aufkommen. In der behaglich eingerichteten Café-Lounge von Microsoft Deutschland Unter den Linden unterhielt sich Radio-Eins-Moderator Sven Oswald gewohnt locker, amüsant und schnodderig mit der Hamburgerin Victoria Schwartz.



Was Victoria mit Kai erlebte, lässt einem die Haare zu Berge stehen. Dabei fing alles so schön an. Die alleinerziehende Mutter, internetaffin, klug und selbstbewusst, hatte einen Tweet gepostet und erhielt dazu einen netten Kommentar von einem Unbekannten. Es entwickelte sich ein Dialog. Man hatte dieselbe Wellenlänge, sprach dieselbe Sprache, der Smalltalk wurde zu echter Kommunikation mit tief gehenden Themen. Kais Facebook-Profil zeigte einen attraktiven, sympathischen Mann, der seine aktuellen Erlebnisse mit vielen Freunden teilte. Er postete Bilder vom Schwimmen ebenso wie Videos vom Orkan, der soeben über ihn hinwegzog.

Kai lebte in Münster, schrieb er, sei aber gerade für vier Monate in den USA. Er nahm großen Anteil an Victorias Leben, zeigte Interesse, schickte ihr und ihren Kindern Pakete mit Geschenken: ein Traummann! Die beiden führten lange Telefongespräche miteinander. Sie verliebten sich ineinander. Victoria sehnte den Tag herbei, an dem sie Kai endlich persönlich gegenüberstünde.

 


Dann war Kai wieder zurück in der Heimat – doch das Treffen fand nicht statt. Gar nichts fand statt, denn er meldete sich erst wieder aus China, wo er aus beruflichen Gründen weitere vier Wochen verbrachte. Es sei ihm so schlecht gegangen die paar Tage in Münster, entschuldigte er sich, und es tue ihm furchtbar leid. Erneut schickte er Briefe, Karten, Geschenke.

Doch nach seiner Rückkehr aus China wurde das Treffen erneut immer wieder verschoben und abgesagt. Jetzt wurde Victoria misstrauisch. Sie bediente sich desselben Mediums, das ihr diesen Traumtypen beschert hatte, um mehr Informationen über ihn zu finden: Google, Bildersuche, Rückverfolgung von Kontakten. Kais Selfie im Badezimmer brachte einen ersten Beweis: Wenn er in Münster war, wieso hatte sein Bad dann amerikanische Steckdosen?! Seine Antwort kam in Sekundenbruchteilen: Die habe er sich aus den USA mitgebracht und selbst eingebaut.



Längst war Victorias Verliebtheit einer tiefen Skepsis gewichen, aber sie spielte das böse Spiel noch zehn Monate lang mit, um weitere Informationen zu erhalten. Sie fand heraus, wer die Person auf Kais Fotos tatsächlich war und dass seine angeblichen Freunde bei Facebook sämtlich Fake-Accounts waren. Ein Journalist der Zeitschrift Neon, mit dem sie Kontakt aufgenommen hatte, reiste schließlich in die USA, um Kai dort persönlich zu treffen und mit den Erkenntnissen zu konfrontieren.

Was er herausfand, macht fassungslos – und lässt sich in Victoria Schwartz‘ Buch nachlesen. Aber nicht nur das, denn hier gibt die Kommunikationsdesignerin auch Ratschläge für Betroffene. Nach ihren schmerzlichen Erfahrungen war sie, anders als die meisten, offensiv damit umgegangen und hatte einen Blog eingerichtet. Sie hatte nicht geahnt, wie viele Menschen dasselbe erlebt hatten wie sie. Viele davon wendeten sich in ihrer Verzweiflung an Victoria Schwartz und schilderten ihre eigene Geschichte. Inzwischen ist die Hamburgerin inoffizielle Anlaufstelle und investiert ihre Freizeit in die ehrenamtliche Beratung von Betroffenen.



Noch gibt es keine offiziellen Studien über das Phänomen Realfakes, doch die E-Mails, die Schwartz täglich erhält, belegen die erschreckend hohe Anzahl der Fälle. Mindestens 70 Prozent der Opfer, sagt die Autorin, sind weiblich – und übrigens auch 70 Prozent der Täter.

Die nutzen meist eine ebenso perfide wie erfolgreiche Taktik. Sie lassen ihren Zielkontakten nämlich ein ungeahntes Maß an Aufmerksamkeit und Fürsorge zukommen, wie diese es häufig nur aus ihren Tagträumen kennen, und binden sie somit emotional immer enger an sich. Werden die Betroffenen dann „anstrengend“, etwa weil sie auf einem persönlichen Treffen oder einem Videochat bestehen, so ziehen sie sich schlagartig zurück und lassen ihr Opfer mit Gewissensbissen zurück: Was habe ich falsch gemacht? Warum meldet er sich nicht mehr? Wie konnte ich nur so dumm sein, diesen tollen Mann so unter Druck zu setzen? Beim nächsten Mal – und das gibt es immer, denn natürlich kommen die Kais irgendwann zurück – sind sie dann vorsichtiger, stellen keine Forderungen mehr, geben sich zufrieden (und immer mehr von sich preis).



Sie sei auch vielen Anfeindungen ausgesetzt gewesen, erzählt Victoria Schwartz im Gespräch mit Radio-Eins-Moderator Sven Oswald. Man habe sie beschimpft und ihr die Schuld gegeben. Wenn man sie persönlich erlebt, scheint das abwegig: Sie ist offensichtlich alles andere als ein naives Dummchen mit spätpubertären Träumen von der großen Liebe, sie steht mit beiden Beinen im Leben, kennt sich aus, kann argumentieren und hat Humor. Das macht die Sache nicht besser: Es kann offenbar jeden treffen …


Victoria Schwartz: Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde. Das Phänomen Realfakes, Blanvalet, 319 Seiten, 12,99 Euro.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Philipp Tingler: Schöne Seelen


Das ist die Handlung bis Seite 50: eine Frau stirbt und wird beerdigt.

Allerdings wurden bis hierhin 32 (!) Personen eingeführt und zahlreiche weitere namentlich erwähnt. Wer trotzdem weiterlesen möchte, braucht gute Nerven, denn auch wenn Tinglers Roman durchaus seine Qualitäten hat, so liegen sie doch eher im Verborgenen.

Sie blitzen durch in witzigen Dialogen: „Du weißt, was passiert, wenn man Dinge systematisch unterdrückt und verdrängt …“ – „Ja. Sie verschwinden.“

Sie schimmern aus gelegentlichen Bonmots hervor: „Ich weiß, dass sie mich auf ihre Art liebt. Aber ihre Art passt mir irgendwie nicht.“

Und ab und zu verbergen sie sich auch in Sätzen mit erstaunlichem Tiefgang: „Denn nicht das Glück ist der Sinn der Liebe oder des Lebens überhaupt, das denken nur die Glücksdeppen oder höchstens noch die Gesundheitsapostel, denen jeder Bezug zur Transzendenz verlustig gegangen und für die deshalb das Leben selbst das höchste Gut ist.“

Doch das sind vereinzelte Perlen in einem Ozean voller Miesmuscheln. Denn leider ist Tinglers Witz – ganz unverkennbar orientiert am unerreichten Esprit eines Oscar Wilde – in den meisten Fällen bemüht, die Ironie viel zu dick aufgetragen. Tinglers Sprache, mal salopp, mal von nahezu kleistscher Geschraubtheit, wird selten dem Gegenstand gerecht.

Lassen wir die Handlung am besten außen vor, denn es gibt ja kaum eine. Die originelle Grundidee des Romans – ein Mann macht anstelle seines besten Freundes eine Therapie, damit dieser mehr Zeit für sein Hobby hat – gäbe viel mehr her, als dieser Roman bietet. Denn abgesehen von einer slapstickartigen Verwicklung und einigen mäßig lustigen Dialogen zwischen dem Protagonisten und dem Psychologen verpufft sie wirkungslos.

In erster Linie geht es Tingler um Gesellschaftskritik, und zu diesem Zweck nimmt er die obersten Tausend der Stadt Zürich aufs Korn: ihren Müßiggang, ihre Intrigen, ihre Luxusproblemchen zwischen Facelifting und Erbschleicherei, ihre geistige und emotionale Beschränktheit im Kontrast zu ihren ziemlich unbeschränkten finanziellen Verhältnissen. Fraglich ist, ob wir dafür wirklich alle tausend namentlich und mitsamt ihren hässlichsten Eigenheiten persönlich kennenlernen müssen, denn die meisten Nebenfiguren haben keine erkennbare Funktion.  


Man kann sich Schöne Seelen, reduziert auf vielleicht sieben handelnde Personen, ganz gut als Boulevard-Komödie vorstellen, einschließlich der zu erwartenden Lacher bei platten Gags und ulkigen Grimassen der Schauspieler. Das hätte im Vergleich zum Roman darüber hinaus den entscheidenden Vorteil, dass die betäubende Menge an Orthografiefehlern und die recht lieblose Aufmachung des Buches nicht so stören würden.

Donnerstag, 26. November 2015

„Gerade ist cool!“ – der Musiker Lennard Bertzbach im Interview

„Lennard Bertzbach – Darsteller aus dem Film Die wilden Kerle.“ 

So wurde auf Plakaten der Gastleser des 13. Steglitzer Literaturfests angekündigt, das am 21. November zahlreiche Kinder, Jugendliche und Eltern anlockte. 

  

 

Der Siebenundzwanzigjährige stellte den Roman iBoy von Kevin Brooks vor und las zwei längere Passagen daraus vor – souverän, gekonnt und mit jenem unverwechselbaren Vibrato, das ihn schon mit sechzehn zum Teenieschwarm gemacht hatte.

Was ist seit den Wilden Kerlen passiert? Und was macht Lennard Bertzbach heute? Ich traf ihn zum Interview im Anschluss an seine Lesung.

Nervt das nicht, immer wieder auf deine Rolle bei den Wilden Kerlen reduziert zu werden?

„Na ja, irgendwie finde ich es auch verständlich, weil es das ist, was die meisten am ehesten noch kennen könnten. Es ist ja wirklich damals ein erfolgreicher Jugendfilm gewesen“, zeigt sich Lennard tolerant. „Es ist schon schräg, wenn man das Gefühl hat: Die Vergangenheit holt dich ein, oder wenn man dann wieder so vorgestellt wird und denkt: Komm, das hättest du dir jetzt auch sparen können, das ist doch nicht so wichtig. Aber andererseits ist es ja auch nicht schlimm.“

Du wurdest ja auch auf dem Plakat so angekündigt.

„Echt? Das Plakat hab ich gar nicht gesehen. Aber das hat mir eben auch jemand erzählt, dass es so angekündigt wurde, und das finde ich dann ehrlich gesagt ein bisschen übertrieben, dass man das dann so versucht zu benutzen, weil das so spektakulär gar nicht ist. Irgendwie fühle ich mich auch geschmeichelt, wenn die Leute das so toll finden, aber das ist so lange her …“

Wir wollen das aber nicht kleinreden: Du warst toll in der Rolle des Gonzo Gonzales!

„Ja, das war auch echt ein Spaß! Dabei hab ich nur Jack Sparrow kopiert.“ Und das sei nicht seine eigene Idee gewesen, verrät Lennard schmunzelnd. „Ich weiß noch, wie ich mir damals extra noch diesen Film anschauen musste, weil ich den noch gar nicht kannte, der war gerade erst rausgekommen. Die haben mir aufs Hotelzimmer eine Videokassette mit Fluch der Karibik organisiert, und ich habe mir das einen Tag vor dem Casting reingezogen, bin immer auf und ab stolziert und hab Jack Sparrow imitiert. Das ging schon alles ziemlich schnell. Aber es war ja auch nicht schwer, diese Rolle – das ist ja eine Freude, das zu übernehmen.“ 

Seine Theatererfahrung, die er bereits vor den Dreharbeiten als Schüler gesammelt hat, habe ihm dabei geholfen.

Verstehst du dich noch als Schauspieler?

„Eigentlich ist das immer so ein bisschen komisch, wenn jemand mich als Schauspieler vorstellt. Erstens hab ich das nie gelernt, und selbst in den Zeiten, als ich noch viel gespielt habe, hatte ich nie das Gefühl, dass ich jetzt wirklich Schauspieler bin“, räumt der gebürtige Bremer ein. Seine Rolle in Die wilden Kerle 2 war keineswegs seine einzige; er war danach noch häufiger in Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen, beispielsweise in der Verfilmung des Jugendbuchklassikers Die Welle. „Im Moment drehe ich gar nichts mehr. Ich hab mich entschieden, mehr Musik zu machen. Ich würde mich mehr als Musiker bezeichnen, das ist für mich der authentischere Begriff. Musik ist mir wichtiger und steht an erster Stelle.“

Liest du selbst gern und viel?

„Ich lese gerne, auf jeden Fall. Aber ich finde, man wird – ähnlich wie beim Filmen – häufig enttäuscht.“ Er habe schon den Ehrgeiz, ein einmal angefangenes Buch zu Ende zu lesen, sagt der ehemalige Teeniestar. „Aber wenn es so langweilig ist oder mich nicht packt, dann brauche ich manchmal Wochen, um ein Buch zu beenden. Und wenn ich mich zwingen muss, dann hab ich das zwar noch irgendwo liegen und will es auch zu Ende lesen, aber dann nehme ich mir trotzdem schon mal ein anderes, und dann habe ich irgendwann mehrere Bücher offen.“

Welche sind das zurzeit?

Lennard muss nicht lange überlegen: „Zum Beispiel JaronLanier, Wem gehört die Zukunft. Das ist superspannend, aber schwer zu lesen. Man muss geistig total da sein, um das alles aufnehmen zu können. Und dann noch ein paar Sachbücher, Geschichte des Pop zum Beispiel, oder Biografien. Das letzte Buch, was mich gepackt hat, war The Circle von Dave Eggers. Das war so unterhaltsam und leicht geschrieben, das konnte man wie einen Film wegfressen.“

Gehen wir mal von der Literatur zur Musik. Du hast viele musikalische Projekte: Du schreibst eigene Songs und begleitest dich auf der Gitarre, und du trittst mit einer Jazzsängerin als Pianist auf. Außerdem musizierst du mit deiner Schwester und gibst mit deinem Vater Konzerte. Welche Rolle spielte Musik bei euch zu Hause?

„Musik war zu Hause allgegenwärtig. Es standen überall irgendwelche Instrumente rum. Meine Brüder hatten Gitarrenunterricht, ich hatte Schlagzeugunterricht, meine Schwester hat mal Querflöte gelernt. Ich weiß nicht, das war einfach normal“, erinnert sich der Musiker, der inzwischen drei ganz unterschiedliche Instrumente beherrscht und eigene Songs komponiert. „Mein Vater war eigentlich Landwirt und hat sich vor zehn oder elf Jahren als Musiker selbstständig gemacht, hat das aber nie gelernt. Man lernt ja auch beim Tun. So hab ich auch Klavierspielen gelernt, durch die ganzen Konzerte. Ich hatte ein Jahr lang Jazzklavierunterricht, weil ich unbedingt Jazzklavier spielen wollte, aber ich konnte nie wirklich Noten lesen, das hole ich jetzt erst nach. Ich hab einfach fünf Jahre lang Konzerte gespielt ohne Ende. Bei Gitarre ist es wie beim Klavier. Ich habe nie Unterricht gehabt, aber einfach superviel gespielt, jahrelang.“

Wie war dein beruflicher Werdegang?

„Eigentlich wollte ich Musik studieren, bin aber nicht in den Studiengang reingekommen, weil ich nicht gut genug war im Notenlesen. Dann haben sie gemeint, wir sehen dein Potenzial, du könntest nächstes Jahr wiederkommen, mach noch mal Theorie.“ Das habe er sich auch vorgenommen, erklärt Lennard, sich schon mal für Philosophie und Physik im Nebenfach eingeschrieben und zwei Semester lang den Universitätsbetrieb beobachtet – mit dem Ergebnis, dass er nicht mehr wollte. „Ich hatte das Gefühl, es geht überhaupt nicht darum, etwas Interessantes zu lernen, sondern es geht darum, Kreditpunkte zu sammeln, wie so ein bescheuertes Spiel. Das musste ich mir nicht antun. Es mag Leute geben, für die das genau das Richtige ist. Ich hab mich damit abgefunden, dass das bei mir nicht so war. Danach hab ich auch nicht mehr studiert, nur hier und da gejobbt, eben als Schauspieler oder in anderen Jobs, und jetzt mach ich nur noch Musik und kann leben.“

Das möchte ich etwas genauer wissen, daher erläutert Lennard: „Wir spielen ja viel auf privaten Veranstaltungen, runde Geburtstage, goldene Hochzeiten und so, da gibt es eine Festgage, und wenn du davon ein paar Konzerte im Monat hast, ist das genauso wie ein anderer Job.“

Welches von deinen musikalischen Projekten ist denn das erfolgreichste?

Die Antwort kommt spontan: „Das, was ich mit meinem Vater mache, Schlager der zwanziger bis fünfziger Jahre. Das läuft jetzt auch schon am längsten professionell. Eigentlich bin ich ja auch immer dabei, meine eigenen Sachen zu schreiben und zu spielen ‒ an der Gitarre ‒, aber damit verdiene ich noch kein Geld. Geld verdiene ich mit diesen Schlagern. Wir spielen bundesweit, aber vorwiegend im Bremer Raum. Das läuft über Mundpropaganda. Wenn wir Folgeaufträge kriegen, sind das immer Leute, die uns irgendwo mal gesehen haben. Es ist nicht das, was ich mir selbst ausgesucht habe, aber ich habe trotzdem unheimlich viel Spaß, allein weil ich schon merke, mit jedem Konzert werde ich besser und lerne. Das ist für mich der Reiz daran, dass ich Spaß haben kann während der Arbeit und immer besser werde. Ich merke diesen Prozess, dass ich mittlerweile blind spielen kann.“

Lennard Bertzbach ist jedoch nicht der Typ, der sich auf dem Erreichten ausruht: „Natürlich will ich mein eigenes Ding durchziehen, meine eigene Musik. Es gibt diesen Begriff Liedermacher-Musik oder Singer/Songwriter, aber es sind halt deutsche Texte, es ist ja auch immer sehr textlastig. Daran arbeite ich, ganz entspannt, ich will mich nicht unter Druck setzen, denn ich merke, sobald ich unter Druck stehe, schaffe ich nichts mehr. Ich bin jetzt seit zwei Jahren in Berlin. Das entwickelt sich. Es ist nicht schwer, überall zu spielen, aber es ist natürlich schwer, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, denn gerade in Berlin gibt es viele, die das genauso versuchen.“

Deine Texte sind originell und relativ komplex. Würden die eigentlich auch als Lyrik funktionieren?

„Darüber hab ich schon oft nachgedacht, ob ich vielleicht an Poetry Slams teilnehmen soll. Da hab ich mich noch nicht richtig rangewagt. Ich schiebe solche Sachen manchmal auch ewig vor mir her. Vielleicht versuch ich das mal.“

Du thematisierst in deinen Texten häufig die Möglichkeit, sich jederzeit frei zu entscheiden. Das scheint etwas zu sein, das dich beschäftigt.

„Ja, schon, aber mittlerweile hat sich das auch schon geändert. Das sind Lieder, die ich vor zwei, drei, vier Jahren geschrieben habe, und ich bin heute natürlich nicht mehr in der gleichen Situation wie damals“, erläutert der Musiker. „Da hatte ich noch andere Gedankengänge oder andere Probleme oder hab das Lied aus einem anderen Grund heraus überhaupt erst geschrieben. Aber trotzdem singe ich das Lied heute meistens noch so, weil ich mir denke, das muss ich auch akzeptieren, dass ich mich verändere, aber trotzdem mal so gewesen bin. Diese Lieder sind immer noch von mir, auch wenn sich meine Ansichten vielleicht ändern.“

Selbstkritisch fügt Lennard hinzu: „Es gab tatsächlich so eine Phase, wo ich dachte, der Wille bestimmt alles. Das ist auch immer noch so, aber wenn das so tiefgreifende Themen sind, dann hab ich damals auch echt ein bisschen zu viel Pathos in den Liedern gehabt, den ich heute vielleicht so nicht mehr anwenden würde, und trotzdem macht es mir Spaß, die zu singen. Aber es entwickelt sich alles. Manchmal hab ich das Gefühl, ich hab mit dem moralischen Zeigefinger gewinkt: Du musst nur das und das, und dann ist alles cool. So einfach ist es nicht. Ich bin da schon ziemlich privilegiert, wenn ich in der Lage bin zu sagen: Mach doch einfach dies und jenes, und schon ist alles besser. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie es anderen geht. Aber für mich war das damals halt sinnvoll.“
Der junge Musiker will sich aktiv weiterentwickeln: „Daran arbeite ich. Ich will ja auch niemandem auf den Schlips treten. Ich will, dass meine Lieder einen gewissen Humor haben. Ich finde, das ist immer ein guter Kanal, um überhaupt bei den Leuten anzukommen.“

Dann baust du deine Musikkarriere also derzeit auf?

„Ich nehme mir das vor. Ich muss mehr lernen, ich muss lernen, die Gitarre so zu spielen, wie ich mir das vorstelle, und dann merke ich, ich brauche einfach so und so lange, bis ich das kann, und dann denke ich, ich muss es doch noch besser können. Aber das ist normal. Es spitzt sich schon langsam alles so zu, dass ich nur noch das machen kann. Aber das ist halt immer eine unsichere Sache als Musiker. Man weiß nie, wie es nächsten Monat aussieht.“ Lachend fügt Lennard hinzu: „Aber gerade ist cool. Ich brauch ja nicht viel.“


Ja, die Freiheit, sagen zu können: Ich mach das nicht, wenn ich da keine Lust zu habe – die ist unbezahlbar.

„Das ist unheimlich viel wert. Das merke ich immer wieder“, bestätigt Lennard, der mittlerweile im Wedding zu Hause ist, und grinst: „Deshalb seh ich auch noch so jung aus, glaub ich. Manche schätzen mich noch auf achtzehn, und ich bin siebenundzwanzig. Das variiert immer stark, aber siebenundzwanzig ist auf jeden Fall die Obergrenze, auf die mich irgendjemand schätzt.“

Was würdest du gern noch mal ausprobieren?

„Ich spiele schon lange mit dem Gedanken, mal Kabarett zu machen“, verrät Lennard Bertzbach. „Am Klavier bin ich mittlerweile sehr sicher und habe das Gefühl, ich könnte eine Show abliefern mit Texten von mir und musikalischer Untermalung. Alle Lieder, die ich bisher geschrieben habe, waren für die Gitarre. Jetzt macht es mir Spaß, die Sachen aufs Klavier zu übertragen, was nicht mit allen Songs funktioniert. Es sind einfach so Liedermacher-Gitarrensongs. Aber ich beginne jetzt umzudenken und auch Lieder fürs Klavier zu komponieren.“

Dafür hat der ehemalige „wilde Kerl“ auch durchaus konkrete Pläne: „Mich faszinieren Kabarettisten wie Hagen Rether, die Inhalte vermitteln auf witzige Art und dabei unterhalten, aber auch anregen, über Dinge nachzudenken. Das würde mich reizen. Da müsste ich mal anfangen, ein Programm zu schreiben und das auszuprobieren. Das ist so eine Sache, mit der ich schon lange liebäugele.“


Irgendwann noch mal als Schauspieler zu arbeiten, kann Lennard sich durchaus vorstellen. Im Moment setzt er allerdings andere Schwerpunkte: „Dass ich Musik machen will, hab ich schon früh erkannt, aber welche Musik genau und wo das hinführt, ist noch relativ unklar. Da lasse ich mich ein bisschen treiben. Ich mache diese vielen Projekte, und mir liegt an allen etwas, deshalb will ich mich auch noch gar nicht festlegen. Ich mache so lange alles, bis sich herauskristallisiert, wo noch mehr Potenzial liegt, was man noch ausbauen kann, was einschläft, was sich verändert.“



Wer wissen möchte, welche Musik Lennard Bertzbach macht, kann sich auf seiner Website informieren, die zahlreiche Hörbeispiele anbietet - und hoffentlich immer häufiger auch live!


Montag, 23. November 2015

Wire: Die Lebensretter live im PBHF-Club



Nein, ich bin wirklich kein Nostalgiker, und alternde Rockstars auf der Bühne zu sehen ist mir keinerlei Bedürfnis. Aber zu jeder Regel gibt es eine Ausnahme. Wire ist meine.

Die britische Post-Punk-Truppe brachte ihr erstes Album 1977 auf den Markt und ist seither ununterbrochen aktiv. Erst in diesem Jahr erschien ihre selbst betitelte Platte Wire. (Irgendwie witzig, so eine Namensgebung nach fast 40 Jahren Bandgeschichte – hier kann man sie sich übrigens in voller Länge anhören, legal natürlich.) Und die vier Herren gehen auch nach wie vor auf Tour.



Graham Lewis (Bass), Colin Newman (Gitarre und Vocals) und Robert Grey (Schlagzeug) gehören noch zu den Männern der ersten Stunde. Neu hinzugekommen ist Matthew Simms (Gitarre), der möglicherweise nur halb so alt ist wie seine drei Kollegen, dafür aber entschieden mehr Haare hat.

Simms ist auch der Einzige, der mit einem verzückten Lächeln auf der Bühne steht, während die drei Senioren dezent griesgrämig erkennen lassen, dass sie alles – wirklich alles! – schon mal gesehen haben.

Schlechte Laune verbreiten sie dabei aber keineswegs, denn sie machen einfach großartige Musik, auch live. Bei ihrem Konzert im BerlinerPostbahnhof war alles mit dabei: die superkurzen Punk-Klassiker, die den Saal zum Pogotanzen brachten, die hypnotischen langen Soundteppiche wie beispielsweise Boiling Boy und natürlich auch ein paar Highlights des jüngsten Albums, allen voran Joust & Jostle.


Zum Ende hin wurde es dann richtig laut. Mir klingelt noch jetzt das rechte Ohr, aber Wire verzeihe ich jede Körperverletzung. Zudem war es hübsch anzusehen, wie Matthew Simms neue experimentelle Wege des Gitarrenspiels beschritt, unter anderem auch indem er sein Instrument mit der Vorderseite gegen die Lautsprecherbox drückte.


Kleiner Minuspunkt war der nicht ganz perfekt abgemischte Sound: Colin Newmans unverwechselbare Stimme, die immer noch genauso jung klingt wie vor 35 Jahren, war leider nicht allzu gut zu hören. Der Atmosphäre im gut besuchten PBHF-Club schadete das aber nicht.


Ach, und warum nun das Wort „Lebensretter“ im Titel? Na, deshalb!

Freitag, 20. November 2015

„Wenn’s nicht tragisch ist, weiß ich nicht, wozu ich überhaupt Romane schreiben soll“ - der Schriftsteller Alain Claude Sulzer im Interview

Alain Claude Sulzers Roman Postskriptum erschien im September beim Berliner Galiani-Verlag. Im Mittelpunkt steht der überaus beliebte Schauspieler Lionel Kupfer, dessen Karriere Anfang 1933 abrupt endet. Um ihn sind wie Trabanten weitere Figuren angeordnet, darunter sein Geliebter, der zwielichtige Kunsthändler Eduard, ein bewundernder Fan, der Postbeamte Walter, oder dessen Mutter, die des Lesens und Schreibens unkundige Theres.

Am Dienstag stellte der Autor seinen Roman im Brecht-Haus vor, moderiert von Sigrid Löffler. Zuvor hatte ich die Gelegenheit, mit ihm über seine Arbeit zu sprechen. Verlegerin Esther Kormann hatte dafür freundlicherweise die Räumlichkeiten von Galiani angeboten. Sie überließ ihrem Autor die Schlüssel, und so konnten wir uns zwischen Küchenzeile und Bücherregalen eine Stunde lang ungestört unterhalten.

Welche Entstehungsgeschichte hat der Roman Postskriptum?

„Der Stoff ist entstanden, weil ich einen Auftrag vom Waldhaus hatte, für eine Anthologie einen Beitrag zu schreiben“, erzählt Sulzer. Das Hotel im schweizerischen Sils Maria, das schon zahlreiche renommierte Künstler beherbergte und Schauplatz eines Claude-Chabrol-Films war, lege diese Anthologie nun in seinen Zimmern aus und verkaufe sie natürlich auch. „Der Beitrag ist das jetzige erste Kapitel. Das ist mehr oder weniger so übernommen. Das war eine in sich abgeschlossene Erzählung. Und erst danach habe ich angefangen – relativ bald danach –, den Roman zu entwickeln, aber das war die Grundkonstellation.“ Die genaue zeitliche Einordnung der Handlung in den Januar 1933 sei möglicherweise erst später erfolgt, überlegt der Schriftsteller und Journalist. „Aber der Ausgangspunkt war das Waldhaus, und hätte ich diesen Anthologie-Auftrag nicht bekommen, hätte ich diesen Roman mit Sicherheit nie geschrieben.“



War es so, dass die Figuren Sie nicht mehr losgelassen haben?

„Genau. Dann habe ich sehr bald ein anderes Projekt beiseitegelegt und habe hiermit weitergemacht, weil ich da mehr Möglichkeiten sah, einen Roman zu machen, und dann ist der Roman eigentlich relativ schnell entstanden.“

Gibt es denn einige Charaktere in Postskriptum, die Ihnen mehr am Herzen liegen als andere?

„So wenig ich mir selbst am Herzen liege, so wenig liegen mir fremde Personen, die ich erfunden habe, am Herzen“, erwidert der Autor etwas kryptisch und führt dann aus: „Es entsteht ja keine Identifikation oder so. Niemand ist mir besonders nah, das kann ich nicht sagen. Ich habe wirklich eine starke Distanz zu den Figuren. Das heißt aber nicht, dass ich nicht sehr nah an sie herangehe. Ich kann ganz nah rangehen, aber es gibt keine emotionale Bindung.“ Dass der Effekt beim Leser durchaus ein anderer sein könne, räumt Sulzer ein, aber: „Es ist keine bewusste Entscheidung. Ich setze mich nicht hin und sage, ich bin bewusst distanziert, damit die Leser ihnen umso näher sind.“

Welchen Zweck erfüllt das Postskriptum des Romans, das ihm den Titel gegeben hat?

„Da der Titel schon sehr früh da war, war es wichtig, dass etwas Schriftliches – also etwas Veraltetes, von heute aus gesehen – noch einmal festhält, was Kupfer wichtig ist, dass er sich noch mal Rechenschaft ablegt, dass er etwas zu fassen versucht.“ Das Postskriptum ist in diesem Roman ein Brief, den der Schauspieler an den Postbeamten Walter schreibt, mit dem ihn vor vielen Jahren eine kurze, unverbindliche Affäre verbunden hat. „In gewisser Weise ist es ein Postskriptum seines Lebens, und das war mir wirklich wichtig.“

Die schwulen Liebesbeziehungen in Ihren Büchern sind von einem starken Ungleichgewicht geprägt – einer liebt, und einer lässt sich lieben.

„Lionel könnte jederzeit aussteigen“, ist sich Alain Claude Sulzer im Hinblick auf dessen Liebe zu dem undurchsichtigen Kunsthändler Eduard sicher. „Er ist sich sehr wohl bewusst, in welche ,Gefahr‘ er sich da begibt, und in dem Moment, wo er nach Amerika geht – also ziemlich schnell –, ist die Geschichte ja auch für ihn erledigt. Eduard gibt es noch vielleicht als ein gewisses Verlangen, aber es ist keine starke emotionale Bindung.“ Darauf verweise auch das dem Roman vorangestellte Motto von Max Brod, auf das der Autor erst ganz am Schluss gestoßen sei. Kurzfristige Zweckgemeinschaften, so bezeichnet Sulzer diese Beziehungen: „Jeder nimmt sich das, was er glaubt zu brauchen, ohne Rücksicht auf die Verluste auf der anderen Seite.“

Bedient das nicht ein Klischee? Häufig wird doch schwulen Beziehungen nachgesagt, sie seien weder stabil noch verlässlich.

Er habe nicht die Absicht gehabt, ein Klischee zu erfüllen, erklärt der gebürtige Schweizer, aber: „Erfüllte Lieben zwischen gleichaltrigen, auf Augenhöhe befindlichen Schwulen halte ich ehrlich gesagt nicht für literaturfähig. Das ist ja total langweilig. Wenn’s nicht ohne Drama abgeht … aber dann wären wir schon wieder auf einem Gebiet, auf dem ich nicht funktioniere.“ Und eins steht fest: „Wenn’s nicht tragisch ist, weiß ich nicht, wozu ich überhaupt Romane schreiben soll.“

Aus den Fugen (erschienen 2012) ist ein Roman, in dem es zentral um Musik geht. Vor kurzem haben Sie sogar ein Opernlibretto geschrieben. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur Musik?

„Ich habe in letzter Zeit sehr viel über Musik geschrieben“, bestätigt der mehrfach preisgekrönte Autor, „aber das hat vielleicht etwas mit dem Roman zu tun. Ich habe mich immer viel mit Musik beschäftigt, aber es hat sich gar nie ergeben, dass man mich darum gebeten hätte, über Musik zu schreiben. Ich hätte vermutlich schon vorher was über Musik zu sagen gehabt, aber es hat mich einfach keiner gefragt, und mit diesem Roman hat sich das geändert.“

Er selbst spiele kein Instrument, aber wenn man jahrzehntelang kaum etwas anderes höre als klassische Musik, entwickle man ein gutes Gehör und ein feines Gespür für die Materie. Das Verfassen des Librettos, das auf seiner Novelle Annas Maske basiert, sei ihm nicht schwergefallen, versichert der Autor, der auch einige Theaterstücke verfasst hat.

Gibt es eine Schweizer Literaturszene, und fühlen Sie sich ihr zugehörig?

„Kann ich klar mit nein beantworten. Ich fühle mich nicht zugehörig. Ich denke, es gibt so was Ähnliches, aber wie alles in so einer globalisierten Welt ist auch die in Auflösung begriffen, würde ich sagen“, stellt der 62-Jährige fest und fügt hinzu: „Bis 1945 war die natürlich ganz stark. Die Schweizer Literatur empfand sich sicher auch als Bollwerk gegen das Fremde, als Schutz.“ Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt seien in den fünfziger und sechziger Jahren dann zu Weltliteratur geworden und extrem erfolgreich gewesen. „Das war wie ein Wunder, das kann man so sagen.“ Die beiden Schweizer waren erfolgreicher als alle deutschen Theaterautoren zusammen, vermutet Sulzer.

Heute erregt diese Fragestellung eher seinen Unmut. „Es wird immer wieder darüber diskutiert: Was ist Schweizer Literatur? Das Ende der Diskussion ist immer: Man weiß es nicht. Es ist eigentlich das ödeste Thema, was man überhaupt beackern kann, und kommt bei jedem Literaturfestival in der Schweiz ungefähr ein Mal vor. Kein Mensch würde fragen: Was ist deutsche Literatur?“ Und Sulzer wird noch deutlicher: „Ich glaube, dass die Schweizer Autoren, die man eigentlich ernst nehmen kann, sich eben gerade abgrenzen von jeder Vereinnahmung als Schweizer. Ich kenne keinen einzigen, der so auf seiner Heimat, auf seiner Herkunft beharrt. Ich glaube, der würde sich ja total lächerlich machen.“

Gleich beginnt Ihre Lesung im Literaturforum des Brecht-Hauses. Wie bereiten Sie sich auf solche Lesungen vor? Welche Textpassagen wählen Sie aus?



Er wähle abgeschlossene Kapitel, selbsterklärende Passagen, die auch ohne Moderator funktionieren, erläutert der Schriftsteller. In diesem Fall heiße das: die wichtigsten Figuren vorzustellen und einen Zeitbogen zu schlagen. Die Länge seiner Lesungen sei flexibel. „Wenn ich merke, sie fangen an zu husten oder mit den Füßen zu scharren, dann würde ich es ein bisschen abkürzen.“

Was ist Ihr persönliches Lieblingsbuch?

„Hab ich das? Muss ich das haben?“, fragt Alain Claude Sulzer ratlos zurück. Nach einigem Grübeln fällt ihm aber doch noch etwas ein: „Ich habe wahnsinnig gerne Am Strand von Ian McEwan gelesen, das hat mich extremst beeindruckt, diese Könnerschaft. Aber es gibt da ganz viele. Es gibt so wunderbare Bücher, die man leider auch manchmal wieder vergisst oder die mir jetzt nicht gerade präsent sind. Es gibt immer wieder tolle Bücher, gar keine Frage.“

Welches von Ihren eigenen Büchern ist Ihnen denn am wichtigsten?

„Jetzt kommt so eine Standardantwort“, kündigt der Autor an: „Das, was ich gerade schreibe. Das andere interessiert mich jetzt eher weniger. Das ist das, was ich jetzt am spannendsten finde.“

Verraten Sie darüber schon etwas?

„Nein, überhaupt nicht, null.“ Da ist Sulzer rigoros. „Das weiß noch nicht mal mein Verleger.“ Immerhin gibt es einen Zeitrahmen: „Spätestens in zwei Jahren müsste das fertig sein, wenn ich dazu komme, es ist auch kein besonders umfangreiches Projekt.“

Auch ohne die Details zu kennen, gehe ich davon aus, dass wir uns darauf schon mal freuen können! Bis dahin lohnt sich die Lektüre von Alain Claude Sulzers aktuellem Roman: Postskriptum, Galiani Berlin, 251 Seiten, 19,99 Euro.

Montag, 16. November 2015

„Entartete Kunst“ am Renaissance-Theater




Entartete Kunst, so nannten die Nationalsozialisten Kunstwerke, die nicht mit ihrem ästhetischen Verständnis übereinstimmten. Das betraf Musik und Literatur, in erster Linie aber die Malerei. Denn zeitgleich entwickelten sich Strömungen wie Dadaismus, Kubismus oder Expressionismus, die eine Abkehr von traditionellen Begriffen der Ästhetik zum Programm machten. Heute haben Gemälde von Otto Dix, Lovis Corinth oder Max Beckmann einen unschätzbaren Wert, und klassische Schönheitsideale sind kein Kriterium mehr für die Kategorisierung von Kunst.

Um Gemälde geht es auch in Ronald Harwoods Theaterstück „Entartete Kunst“, das derzeit am Berliner Renaissance-Theater uraufgeführt wird. Es greift die authentische Geschichte des Sonderlings Cornelius Gurlitt auf, der vor wenigen Jahren großes Medienaufsehen erregte, weil er in seiner Münchner Wohnung Hunderte solcher Kunstwerke aufbewahrte, ebenso verborgen vor den Blicken der Öffentlichkeit, wie er selbst es jahrzehntelang geblieben war.



Ein dankbarer Stoff also, den der Brite Harwood aufgegriffen hat: ein psychologischer Grenzfall, ein rätselhafter Fund, eine krimiartige Geschichte mit politischer und kulturhistorischer Komponente. Regisseur Torsten Fischer hat das Stück für das Renaissance-Theater in Szene gesetzt, prominent besetzt mit dem unvergleichlichen Udo Samel in der Hauptrolle. Samel macht Cornelius Gurlitt zu einer irisierenden Figur mit überraschenden Brüchen, die innerhalb von Sekundenbruchteilen vom naiven Kind zum lüsternen Greis wird, vom pathologischen Angeber zur beleidigten Primadonna. Dabei bleibt er jederzeit präsent, glaubwürdig und voll konzentriert.



Neben ihm wirken Boris Aljinovic, besonders aber Anika Mauer als Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft leider etwas blass und hölzern. Überzeugend dagegen Ralph Morgenstern als raffgieriger Kunsthändler, der von Gurlitt mit seinen eigenen Waffen geschlagen wird.

Die Aufführung kommt mit diesen vier Akteuren aus und verzichtet auf optische Effekte. Bis zur Pause bleibt das Bühnenbild statisch: zwei Sofas, Gurlitts Spielzeugeisenbahn und zahlreiche Gemälde, mit dem Rücken zum Betrachter aufgestellt, bieten dem Auge nur wenig Abwechslung. Im zweiten Teil dann kommt ein bisschen Bewegung in die Sache; eine Reihe von Bildern wird nun wie bei einer Auktion gezeigt, aber wenig später auch schon wieder von der Bühne geräumt, die nun sogar noch karger ist als zuvor.



Im Grunde kann man „Entartete Kunst“ auch als Hörspiel goutieren, mit geschlossenen Augen. Bei einer Aufführung von knapp zwei Stunden ist eine derartige optische Reduktion aber wohl eher bedenklich, selbst wenn Udo Samels ausdrucksstarkes Spiel natürlich ein genaues Hinschauen lohnt.

Die Geschichte, so wie Harwood sie in seinem Bühnenstück erzählt, wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. War Gurlitt ein leicht zurückgebliebener Spinner oder ein raffinierter Lügner? Hat er diese Bilder wirklich wie Familienmitglieder geliebt, oder ging es ihm um Profit? Welche Rolle spielte sein Vater Hildebrand, und wie viel wusste Gurlitt davon? Wurden die Bilder gestohlen, enteignet oder in Sicherheit gebracht? Welches Interesse hatte die Staatsanwaltschaft daran, dem über Achtzigjährigen die Kunstwerke wegzunehmen?


Die Aussagen bleiben widersprüchlich, vielleicht war es auch Gurlitt selbst, vielleicht ist dieser ganze Fall ein unlösbares Rätsel. Das ist für ein Theaterstück immerhin eine vorteilhafte Ausgangslage.

Feilen, sägen, hämmern: Arbeit in der Textwerkstatt


Seit April 2011 gibt es die Textwerkstatt „Textremisten“ in Berlin-Tegel. Autorinnen und Autoren aller Altersklassen, literarischen Genres und biografischen Hintergründe treffen sich jeweils einen Samstag im Monat um 11 Uhr zu einem intensiven Austausch über ihre literarischen Arbeiten.

Jeder Einzelne hat zehn Minuten Lesezeit, um eine Kurzgeschichte, ein Romankapitel, ein Exposé, eine Glosse, ein Essay oder jedes beliebige andere Prosawerk vorzustellen. Dieser Text wird dann in der Runde ausgiebig besprochen. Was ist bei den Zuhörern angekommen? Wo gab es logische Brüche oder Verständnisprobleme? Welche Formulierungen könnten optimiert werden? Erfüllt der Text seinen Zweck, oder weckt er vielleicht ganz andere Assoziationen als beabsichtigt? 



Für den Verfasser sind das wertvolle Anregungen, denn in diesem Rahmen von Kolleginnen und Kollegen hat er die Möglichkeit, nützliche Korrekturen auszuführen oder die Prämisse seines Textes neu zu bedenken. Alle anderen schulen ihre Urteilsfähigkeit, sammeln Erfahrungen, ziehen Parallelen zum eigenen Schaffen und erweitern ihr Wissen.

Die Textremisten bleiben aber nicht nur im geschützten Raum des EMSI am Emstaler Platz, sie suchen auch die Öffentlichkeit. In unregelmäßigen Abständen stellen sie die Ergebnisse der Werkstattarbeit bei Lesungen vor. Am 16. Dezember findet ihre Jubiläumsveranstaltung statt: Zum zehnten Mal kann man sie dann live erleben.



Rebecca Großefeste, Rose-Mary Hein, Helmut Schröder, Thorsten Falke, T. A. Wegberg und Inge Beer lesen weihnachtlich angehauchte Kurzgeschichten in der Kleinen Weltlaterne in Berlin-Wilmersdorf. Musikalisch begleitet werden sie dabei von Fanny Femme – ebenfalls langjährige Teilnehmerin der Textwerkstatt – am Klavier. 

Die Textremisten sind kein geschlossener Zirkel, sondern für jedermann offen, sofern er sich auf den Deal einlässt: Feedback annehmen und Feedback geben. Es gibt keine Teilnahmepflicht und erst recht keine Gebühren. Manche bringen frisches Obst, Snacks und Getränke mit, die dem Raum dann gelegentlich das Ambiente eines Brunch-Büfetts verleihen, aber dieser Eindruck täuscht – hier wird hart gearbeitet, und wenn die Textwerkstatt gut besucht ist, kann sie auch schon mal bis in den späten Nachmittag hinein dauern.



Auch wenn sich die Zahl und die Zusammensetzung der Teilnehmer immer wieder mal verändern, gelten die Gesetze der ersten Stunde bis heute: Es wird aufrichtig, aber immer sachbezogen kritisiert, es gibt keine persönlichen Attacken, und es wird immer sehr viel gelacht.


Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich hier über die Termine für 2016 und die genaue Adresse informieren. 

Donnerstag, 12. November 2015

Rebekka Knoll: Geliebte Angst



Emilias erste große Liebe Marico hatte einen tödlichen Autounfall. Doch nur wenige Tage nach der Beerdigung erhält sie plötzlich eine Facebook-Nachricht von ihm. Es folgen viele weitere, auch per SMS. Ist das ein Geist? Ist Marico gar nicht tot? Oder steckt irgendein anderer dahinter, der Emilia einen bösen Streich spielt? Gemeinsam mit ihren beiden besten Freundinnen macht sie sich auf die Suche und deckt dabei einige Geheimnisse auf.

Geliebte Angst ist ein raffiniert aufgebauter Thriller, der sehr geschickt mit den Lesererwartungen spielt, immer wieder falsche Fährten auslegt und die beklemmende Situation Emilias gut verdeutlicht. Immer wieder werden Passagen aus der Ich-Perspektive eingeflochten, die offensichtlich vom „Täter“ stammen – also von demjenigen, der Emilia in Maricos Namen all diese Nachrichten schickt –, doch es wird nicht zu viel preisgegeben. Selbst die Möglichkeit, dass Marico als Geist auf Erden wandelt, scheint nicht völlig ausgeschlossen zu sein. Das ist spannend und macht neugierig.

Sprachlich ist Geliebte Angst allerdings keine große Offenbarung. Der Erzählstil ist sehr schlicht, stellenweise etwas behäbig, lässt jede Raffinesse vermissen und scheint sich an ein sehr junges, wenig anspruchsvolles Lesepublikum zu wenden. Dass Rebekka Knoll pausenlos die Zeitformen durcheinanderbringt, wird da kaum auffallen.

Für die Figurenzeichnung würde ich dem Roman, wenn ich Schulnoten vergeben müsste, eine knappe Drei zugestehen. Es gibt einige Ansätze, den Charakteren Tiefe und Dreidimensionalität zu verleihen, die allerdings größtenteils behauptet und weniger tatsächlich gezeigt werden. Keine der drei Freundinnen, die immerhin die Hauptfiguren dieses Romans bilden, konnte ich mir gut genug vorstellen, um mir ein Bild vor Augen zu rufen.

Noch etwas schwächer ist die psychologische Glaubwürdigkeit ausgefallen. Dass Emilia sich von ihrem geheimnisvollen SMS-Partner so widerspruchslos manipulieren lässt, fand ich äußerst schwer nachvollziehbar. Sie folgt all seinen rätselhaften Anweisungen sofort und ohne zu zögern, obwohl viele davon durchaus grenzüberschreitend sind. Auch die Auflösung des großen Geheimnisses, die ich hier nicht vorwegnehmen möchte, hat für mich einige logische Schwächen. Denn alles basiert darauf, dass Emilia einen offenbar recht bedeutsamen Abschnitt ihrer Kindheit vollständig vergessen hat – und für eine gesunde Achtzehnjährige wäre das schon sehr ungewöhnlich.

Gleichwohl wird Geliebte Angst wohl speziell junge weibliche Vielleserinnen ansprechen, die weniger Wert auf literarische Qualität als auf einen spannenden Plot legen und gerne Parallelen zu ihrer eigenen Erlebniswelt finden. Sie werden mit diesem Roman sicher auf ihre Kosten kommen.

Rebekka Knoll: Geliebte Angst, cbt (2015), 9,99 Euro

Freitag, 6. November 2015

Nathan Ceas in der Buchlounge Zehlendorf: "Der lange Weg"

Ein Wohnzimmer der Literatur – das ist die noch ganz junge Buchlounge Zehlendorf auf der Clayallee 343, die gerade in puncto Autorenlesungen ein außergewöhnlich großes Engagement beweist. Am Donnerstagabend war hier Nathan Ceas zu Gast, Mitglied des Freien Deutschen Autorenverbands Berlin und Autor von bisher drei Romanen.

(c) Buchlounge Zehlendorf


Auf den gemütlichen Sesseln und Sofas machten es sich gut zwanzig Zuhörer bequem – mit drei Ausnahmen alle weiblich –, an der Bar wurden Kaffee, Saft und Wein verkauft, und wer mochte, konnte vor Beginn der Lesung noch ein bisschen im breit gefächerten Sortiment der Buchhandlung schmökern.


 
„Der lange Weg“: Das ist die Flucht des zwölfjährigen Daniel von Kobylin zurück in die Berliner Heimat. Der Junge ist im April 1945 aus einem Germanisierungslager geflüchtet, denn der Krieg ist verloren und sein weiteres Schicksal noch ungewisser als zuvor.

Unterwegs begegnet er der deutlich älteren Kläre, die ebenfalls heim nach Berlin will. Die beiden legen den langen Weg gemeinsam zurück. Sie, die Tochter eines ranghohen SS-Mannes, und er, der Sohn eines jüdischen Physikers, haben nicht viel gemeinsam außer ihrem geografischen Ziel, aber gerade durch ihre Gegensätzlichkeit fühlen sie sich zueinander hingezogen.

Ihre Begegnung ist zugleich auch eine Klärung der Standpunkte, eine Besinnung auf eigene und fremde Werte, eine Reflektion über Verantwortung, Gewissen, Manipulation und gedankliche Freiheit.

   


Nathan Ceas scheint nicht aus seinem Roman zu lesen – er erzählt ihn. Mit sehr modulationsfähiger Stimme und wie beiläufig plaudernd schildert er die Flucht der beiden jungen Leute, die zu einem großen Teil eigene Erlebnisse des heute 83-Jährigen aufgreift, und ihre gegenseitige Annäherung, gelegentlich unterbrochen von kleinen aktuellen Einfügungen wie dem Hinweis auf den bevorstehenden Jahrestag der Reichskristallnacht oder das bedauerliche Verschwinden eines seinerzeit beliebten Cafés.

 
Die anschließende Gesprächsrunde, nonchalant moderiert von Buchlounge-Inhaberin Jana Prokop, ließ ein großes Interesse der Zuhörerinnen an historischen Zusammenhängen erkennen. Was waren diese Germanisierungslager? Wie viel erfahren Schüler heute über die Zeit des Nationalsozialismus? Welche Erfahrungen haben Nathan Ceas und insbesondere seine jüdischen Eltern damals gemacht? Diese und ähnliche Fragen wurden vom Autor erschöpfend und mithilfe amüsanter Anekdoten beantwortet.



Dass Kläre im Roman den Zwölfjährigen zu sexuellen Handlungen verführt, schien keine der fast ausschließlich weiblichen Zuhörerinnen zu beunruhigen, obwohl die junge Frau damit – zumindest nach heutiger Rechtssprechung – zweifellos eine Straftat begeht. Sehr viel anders hätte das wohl ausgesehen, wenn Ceas‘ Protagonisten umgekehrt ein junger Mann und ein zwölfjähriges Mädchen wären.

Nur zögerlich traten die Besucher der Lesung von Nathan Ceas den Heimweg an. Gerade an einem feuchtkalten Novemberabend kann man sich schließlich kaum einen schöneren Ort vorstellen als eine hell und freundlich eingerichtete, gut sortierte Buchhandlung, die noch dazu bequeme Sitzgelegenheiten aufweist. Aber Frau Prokop und ihr Team möchten die Nächte vielleicht trotzdem gerne woanders verbringen, so erstaunlich das auch sein mag.

Der Autor jedenfalls, bei dem man sich unweigerlich fragt, ob seine Altersangabe nicht auf einen Zahlendreher zurückzuführen ist, kehrte mit ein paar Kollegen noch in die nächstgelegene Gaststätte ein und feierte zu Recht den gelungenen Abend.

Übrigens: Am 16. November ist in der Buchlounge Zehlendorf der FDA-Literaturpreisträger Alain Claude Sulzer zu Gast und stellt seinen neuen Roman „Postskriptum“ vor – nicht verpassen!


Donnerstag, 5. November 2015

Jonathan Franzen: Unschuld





Das vielleicht einzige Wort, mit dem man Jonathan Franzens neuen Roman zusammenfassen kann, lautet „monumental“. Bei 830 Buchseiten geht diese Beurteilung zugegebenermaßen nicht sonderlich in die Tiefe. Trotzdem fällt es – nicht nur wegen seines enormen Umfangs – schwer, dem Buch mit den gängigen Mitteln der Literaturkritik gerecht zu werden.

Unschuld gliedert sich in sieben Teile, von denen jeder mit einem Wechsel der Perspektive einhergeht. Der erste beschreibt Purity Tyler, genannt Pip, macht mit ihrem Alltag und ihrer etwas schwierigen Mutterbeziehung vertraut, und schildert die erste Kontaktaufnahme zwischen ihr und dem deutschen Whistleblower Andreas Wolf. Sie interessiert sich hauptsächlich deshalb für ihn, weil sie hofft, endlich etwas über ihren Vater herauszufinden, den sie nie kennengelernt hat.

Der zweite Teil rollt die Jugend und den Werdegang dieses Andreas auf. Auch er leidet unter einer schwierigen Mutterbeziehung. Aus Liebe zu einem jungen Mädchen wird Andreas zum Mörder. Diese Schuld prägt sein Leben. Der Untergang der DDR gibt ihm die Chance, seiner ständigen Angst vor Entdeckung zu entkommen und zugleich zum Liebling der Medien zu werden.

In Teil drei begegnen wir Tom und Leila, die beide als Journalisten für das investigative Online-Magazin Denver Independent arbeiten. Privat sind sie ein Paar. Tom scheint immer noch von seiner Exfrau beherrscht zu werden scheint, die seit fünfundzwanzig Jahren vollständig aus seinem Leben verschwunden ist. Pip Tyler fängt als Rechercheassistentin beim Denver Independent an, zieht schließlich sogar bei dem Journalistenpaar ein, und es deutet vieles darauf hin, dass sie Toms leibliche Tochter ist. Die beiden behalten diese Vermutung allerdings für sich.

Mit dem vierten Teil wird erneut ein chronologischer Rückwärtssprung vorgenommen. Hier steht wieder Pip im Mittelpunkt, die in das bolivianische Los Volcanes aufbricht, um bei Andreas Wolfs Sunlight Project mitzuarbeiten. Dieses Projekt deckt Skandale auf, enthüllt Korruption, Verbrechen und Unregelmäßigkeiten, und Andreas ist seine glanzvolle Galionsfigur. Es fällt Pip schwer, sich in das Team einzufügen, aber Andreas umwirbt sie heftig und bringt sie schließlich dazu, sich bei Tom einzuschleichen, denn er fürchtet, dass dieser – als einziger Mitwisser des Mordes, den er 1987 begangen hat – ihm schaden könnte.

Der fünfte Teil – der einzige, der in der Ich-Form erzählt wird – ist Toms Rückblick auf seine Liebe zu Anabel, also Pips Mutter. Es ist eine amour fou, quälend, rasend, obsessiv und unmöglich. Die beiden kommen einfach nicht voneinander los, obwohl sie sich offensichtlich nur Schaden zufügen. Einer der Streitpunkte ist Geld. Anabel entstammt einer schwerreichen Unternehmerfamilie und könnte über ein gewaltiges Erbe verfügen, was sie jedoch radikal ablehnt.

Im sechsten Teil erleben wir die Welt wieder aus der Sicht Andreas Wolfs. Auch er kann sich nicht von seiner Liebe zu Annagret lösen, jenem Mädchen, für das er seinerzeit den Mord begangen hat. Er scheint am Ziel seiner Wünsche zu sein, als sie Jahre später endlich ein Paar werden, doch das Glück erweist sich als schal. Die Beziehung scheitert, und Andreas bringt sein Sunlight Project zum Erfolg. Doch verstärkt quälen ihn wieder Schuldgefühle. Die Angst vor einer Enthüllung des dunklen Flecks in seiner Vergangenheit steigert sich immer mehr zur Besessenheit, je reiner und unbefleckter sein Ruf als Verkünder der Wahrheit, als „Überbringer des Sonnenlichts“ wird. Schließlich beherrscht sie seinen Geist so stark, dass er zum Wahnsinnigen wird. Er nimmt sich das Leben.

Teil sieben muss also – den Regeln des Romans folgend – die Auflösung, das Zusammenlaufen der Fäden bringen und tut dies auch. Wie im ersten und im mittleren Kapitel ist Pip wieder die zentrale Person. Sie ist in ihr vorheriges Leben zurückgekehrt, hält sich mit Jobs über Wasser und lebt wieder in einem besetzten Haus mit anderen sozialen Randfiguren zusammen. Kurz vor seinem Suizid hat Andreas ihr Toms „Memoiren“ – also Teil fünf des Buches – zugemailt. Sie weiß nun also, wer ihr Vater ist, und sie weiß vor allem auch, dass sie die Tochter einer Milliardenerbin ist. Im Finale versucht sie die Abwehr ihrer Mutter gegen dieses Erbe ins Wanken zu bringen und sorgt für ein Wiedersehen ihrer Eltern.

Man könnte Unschuld also im weiteren Sinne als Familienroman bezeichnen, auch wenn dieser Begriff angesichts der enormen Komplexität des Buches recht harmlos daherkommt. In erster Linie tut es das, wofür Franzen bekannt ist und wofür er auch so geliebt wird: Es erzählt Geschichten. Unzählige Storys, manche absurd, manche alltäglich, sorgen für die feinen und feinsten Verästelungen der Handlung. Unschuld ist wie ein Fraktal, das sich scheinbar ins Unendliche verzweigt. Es erzählt nicht nur die Geschichte von Pip Tyler, ihren Eltern und Andreas Wolf, sondern auch noch die jener Personen, die mit ihnen zu tun haben, sei es beruflich, privat oder zufällig, und (fast) jede dieser Geschichten hat ihren eigenen Charme und öffnet wieder ein neues eigenes Universum.


Dabei verliert Franzen trotzdem niemals das große Ganze aus den Augen. So verspielt und verschnörkelt seine Erzählstruktur auch sein mag, sie bleibt doch zielorientiert, steuert auf einen Zusammenhang, einen Überbau, eine Auflösung hin, und das ist eine bewundernswerte Leistung. Zu den besonderen Stärken dieses Romans zählt auch seine wunderbare Sprache, der Reichtum an Formulierungen und Begriffen, weder nervtötend experimentell noch ermüdend abgedroschen. Immer findet Franzen das richtige Wort, häufig so präzise, dass es bis in den nächsten Absatz nachklingt und beim Leser das angenehme Gefühl erzeugt, exakt zu wissen, was hier ausgedrückt werden soll. Dazu braucht es weder Adjektiv-Dumping noch langatmige Beschreibungen. Franzens Sätze sind wie mit leichtem Pinsel hingetupft und erzeugen trotzdem immer ein Bild. 

Mittwoch, 4. November 2015

Bernhard Lassahn und Martin Betz im Café DIM

Adventsboxen?

Was soll das denn sein?

Na ja, erklären kann man das nicht so gut - aber angucken und kaufen kann man sie im Café DIM auf der Oranienstraße.


Und was da rechts im Bild zu sehen ist, das ist ein Postkartenadventskalender, also ein Set von 24 Postkarten mit kleinen Gedichten, geschrieben von Bernhard Lassahn. Der liegt jeder Adventsbox bei und macht sie zu einem nicht nur schönen, sondern auch nützlichen Geschenk. Schließlich kann man die Postkarten an gute Freunde verschicken, nachdem man die Gedichte auswendig gelernt hat. Wenn das kein Mehr-Wert ist!

Am 3. November bei der Präsentation dieser Adventsboxen im Café DIM war der Dichter höchstpersönlich zugegen, um eine Kostprobe seines Schaffens zu geben. Meine zugegeben große Skepsis gegen Lyrik erwies sich als unbegründet. Diese Gedichte sind keine bedeutungsschwangeren Textgebilde mit unerklärlichen Zeilenumbrüchen und großgeschriebenen Adjektiven, sondern witzige, originelle, alltagstaugliche Miniaturen, die selbst hartgesottene Miesepeter zum Lachen bringen.



Das gelang Bernhard Lassahn auch mit der Kurzgeschichte, die er als Bonus las. Die kuriosen Erlebnisse eines gerade Achtzehnjährigen, der sich in der norddeutschen Provinz als Weihnachtsmann verdingt, um sein Taschengeld aufzubessern (und endlich mal das Familienauto fahren zu dürfen), waren mit so viel trockenem Humor und fein beobachteter Alltagskomik angereichert, dass man gar nicht genug davon bekommen konnte.



Begleitet wurde der Autor von Martin Betz, der virtuos auf seinem (erstaunlich wohltönenden!) historischen Kinderklavier spielte und dazu den einen oder anderen Nonsens-Text sang - mit Sprachwitz und ohne Scheu vor gepflegten Kalauern.

Dass die beiden, gemeinsam mit anderen Autoren, auch regelmäßig als "Dienstagspropheten" im Zebrano-Theater auftreten, ist eine Information, die ich hier sehr gerne mal der geneigten Öffentlichkeit zur Kenntnis bringe - und die ich mir auch selbst sowohl im Gedächtnis als auch im Kalender abspeichern werde!

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Wahrnehmungsapparate: Ein Abend mit Aljoscha Brell, Inger-Marie Mahlke, Martin Lechner, Nina Bußmann

Autorengespräche und Lesungen im LCB Berlin, Dienstag, 27. Oktober 2015, 20 Uhr

Vier Berliner Autor(inn)en, Jahrgänge 74 bis 80, lernten sich vor zehn Jahren an der FU Berlin bei einer Autorenwerkstatt mit Herta Müller kennen. Zum „Jubiläum“ und weil sie alle auch an der Prosawerkstatt des LCB teilgenommen haben, hat das Literarische Colloquium Berlin sie zu einem gemeinsamen Gesprächs- und Lesungsabend eingeladen. Thorsten Dönges moderierte die Runde unterhaltsam und angenehm unprätentiös.



Die vier Autorenkollegen haben an Herta Müller nicht nur romantisch verklärte Erinnerungen. Bei allem Respekt der späteren Nobelpreisträgerin gegenüber schimmern doch ein paar schlecht verheilte Verletzungen des juvenilen Narzissmus durch. Radikal subjektiv sei sie gewesen und habe ihrem Missfallen gegenüber den meisten Texten sehr deutlich Ausdruck verliehen. „Das ist kein literarischer Satz!“, war eine ihrer Standardaussagen. Eine Begründung für ihre Kritik pflegte sie nicht zu liefern. „Aber sie hat es ja trotzdem immer genau getroffen“, wendet Nina Bußmann ein, und die anderen stimmen ihr uneingeschränkt zu.

Die damaligen Studenten verabredeten sich auch nach Beendigung der Autorenwerkstatt immer mal wieder auf eigene Initiative, um das Feedback der anderen zu ihren literarischen Texten einzuholen oder sich einfach zum Prozess des Schreibens auszutauschen. Der Gastgeber besorgte Wurst oder Käse, alle anderen brachten Alkohol mit – „inzwischen wird vegan gekocht“, beruhigt Nina Bußmann. Ob nun Fastfood oder Pflanzenkost, das Konzept kann als erfolgreich gelten: Alle vier haben mittlerweile Veröffentlichungen vorzuweisen, Mahlke sogar drei; Brells Debüt ist erst vor wenigen Wochen erschienen.



Inger-Maria Mahlke, 1977 geboren, wuchs in Lübeck auf und studierte Rechtswissenschaften. Ihr preisgekrönter erster Roman „Silberfischchen“ erschien 2010 im Aufbau Verlag, zwei Jahre später folgte „Rechnung offen“.

Im März 2015 kam ihr Roman „Wie ihr wollt“ im Berlin Verlag heraus. Inger-Maria verwendet einen historischen Stoff aus dem England der Tudor-Zeit, erzählt jedoch in knappen, oft elliptischen Sätzen. Eine Nachahmung der damaligen Sprech- oder Schreibweise müsse immer misslingen, erklärt sie. Sprache habe insbesondere eine klangliche Funktion. Sie möge harte Konsonanten und habe ihren Text komplett durchrhythmisiert. Das wurde durch Gestik und rhythmisches „Mitgehen“ der Autorin sehr deutlich, als sie eine Passage des Romans vorlas.

Eindrucksvoll war die Szene, in der die Protagonistin sich gedanklich mit ihrer bevorstehenden Hinrichtung auseinandersetzt – in geradezu schmerzlicher Detailgenauigkeit antizipiert sie den Weg des Beils durch Knochen, Sehnen und Muskeln, bis die Zuhörer sich verstohlen den Nacken zu reiben begannen.



Martin Lechner, 1977 geboren und ebenfalls aus Lüneburg, schrieb Lyrik und zwei gescheiterte Romanversuche, ehe er eine irgendwann mal angefangene Erzählung aufgriff und sie zu seinem Debütroman „Kleine Kassa“ ausarbeitete, der 2014 im Residenz Verlag erschien. Letztlich hat die Arbeit an diesem Buch sich über zehn Jahre hingezogen. Schon damals in der Autorenwerkstatt von Herta Müller hatte Lechner Teile daraus vorgestellt.

Am Anfang, sagt Martin Lechner, habe er gar nicht gewusst, wohin der Weg führen solle. Er hatte einen Einstieg, aber keine Vorstellung vom weiteren Handlungsverlauf, geschweige denn von einem Ende. So wichtig war das auch gar nicht, denn Martin ist ein Sprachtüftler, einer, der stundenlang an einem Satz feilen kann, bis er das Optimum erreicht hat. Nicht immer zur Begeisterung seiner Autorenkollegen: Das „lichtdurchstoßene Wipfeldach“ aus der von ihm vorgelesenen Romanpassage hat Nina Bußmann seinerzeit als „kitschig“ bezeichnet, erinnert sich Lechner. Inzwischen findet sie es gar nicht mehr so schlimm.

In diesem „Heimatroman auf Drogen“, wie Aljoscha Brell Lechners Debüt charakterisiert, flüchtet ein junger Mann mit einem Koffer voller Geld – wohin und warum ist dabei viel weniger wichtig als das Wie. Hier bewährt sich Lechners Ringen um sprachliche Perfektion. Der Fluchtweg des Protagonisten durch sommerliche Wiesen und Wälder sowie der Fund eines Toten sind temporeich, plastisch und sinnlich erfahrbar geschildert.



Nina Bußmann, geboren 1980, stammt aus Frankfurt/Main. Bereits 2012 erschien bei Suhrkamp ihr erster Roman „Große Ferien“ über einen Physiklehrer, der nach einem Vorfall mit einem Schüler vom Unterricht freigestellt wird. Zurzeit arbeitet sie an einem Nachfolger mit dem Arbeitstitel „Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen“, der bereits andeutet, dass geografische und geologische Themen eine Rolle spielen. Aber es geht auch um das spurlose Verschwinden einer jungen Frau und die Bemühungen ihrer Freunde und Bekannten, damit umzugehen.

Nina Bußmann wirkt autarker als ihre Autorenkolleg(inn)en, weniger suchend und tastend nach Form und Inhalten, zielstrebiger vielleicht. Ihre schriftstellerische Arbeit ist erkennbar längst Teil ihres Alltags, sie muss nicht hinterfragt werden.

Die Manuskriptpassage, die Bußmann vorstellt, besticht vor allem durch erzählerische Details. Ganz deutlich hat der Zuhörer die magere Straßenhündin vor Augen, die, von einem einzigen achtlos weggeworfenen Speiserest angelockt, ihre unfreiwillige neue Freundin nicht mehr aus den Augen lässt und sogar bis zum Versagen ihrer Kräfte dem Motorrad hinterherrennt, das sie aus der Stadt trägt.



Aljoscha Brell, 1980 in Wesel geboren, hat ähnlich lange wie Martin Lechner um die endgültige Form seines ersten Romans gerungen, doch im Gegensatz zu seinem Kollegen stand der Plot schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt fest. Sein Problem, so berichten die drei Werkstattfreunde, habe eher darin bestanden, die Figuren mit Leben zu erfüllen und sich von der anfangs allzu satirischen, stark überzeichneten Darstellung zu lösen. Aljoschas Debütroman „Kress“, im September bei Ullstein erschienen, lässt von diesem Kampf nichts mehr erkennen. Die skurrile Titelfigur und auch die Nebencharaktere sind wunderbar plastisch und – was noch wichtiger ist – werden an keiner Stelle der Lächerlichkeit oder Entwürdigung preisgegeben.

Nein, er habe nicht nächtelang an einem einzelnen Komma herumgefeilt, erklärt Aljoscha Brell. Stattdessen habe er immer wieder ganze Passagen komplett gestrichen und neu geschrieben. Immerhin acht Jahre hat dieser Prozess in Anspruch genommen. „Ich trainiere meinen Willen wie einen Muskel“, das habe Aljoscha damals gesagt, verrät Martin Lechner.

Brell gesteht, dass dieses Übermaß an Selbstbewusstsein seinen Zweck nicht erfüllt habe, und zeigt sich überhaupt selbstkritisch und bescheiden genug, um die vollständige Überwindung seiner jugendlichen Fehleinschätzung glaubhaft zu machen. Ehe man diese Demut für eine Pose zu halten geneigt ist, gibt er dann auch unumwunden zu, dass er ein ausgesprochenes Talent für das Schreiben von Dialogen hat. Erfrischend ehrlich – und Recht hat er!

Seine Leseprobe liefert dafür gleich den besten Beweis. Die Szene, in der Kress die Sprechstunde von Professor Schleicher aufsucht, besticht nicht nur durch den wunderbar authentischen Dialog, sondern auch durch eine Vielzahl an großartig beobachteten, entlarvenden Details, die für jenes amüsierte Dauergrinsen sorgen, mit dem man seinen Roman liest.




Der Abend im Literarischen Colloquium Berlin war ebenso informativ wie unterhaltsam. Ganz besonders Schreibende werden sich in den unterschiedlichen Positionen der vier befreundeten Autor(inn)en wiedererkannt haben. Viele der besprochenen Herangehensweisen, Irrtümer, Erfolgserlebnisse und Anekdoten kennt jeder Schriftsteller so und ähnlich aus seinem literarischen Alltag. „Nur-Lesern“ bot die Veranstaltung ungewohnte Einblicke in den Schreibprozess. Und vor allem machte sie neugierig auf die vier jungen Autor(inn)en und ihre Texte!

Dienstag, 20. Oktober 2015

Emma Haughton: Mein fremder Freund




Hannah ist dreizehn und hat vor kurzem ihre Mutter verloren. Ihre ganze Kindheit hindurch war Danny ihr bester Freund gewesen, nur in letzter Zeit hat sich irgendetwas verändert – und plötzlich ist er spurlos verschwunden. Nach drei Jahren geschieht das Unglaubliche: Danny kehrt zurück! Aber warum ist er so verändert? Wo war er? Was hat er erlebt? Die Thematik klingt spannend und hat zweifellos viel Potenzial; angeblich liegt ihr eine wahre Begebenheit zugrunde.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Umsetzung bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Der erste Teil des Romans beschreibt lediglich, wie Hannah und Dannys Familie verzweifelt nach ihm suchen, auf ein Lebenszeichen von ihm hoffen und einander Halt geben. Dabei bleibt die Ich-Erzählerin Hannah farblos und uninteressant. Sie hat keine Hobbys, keine Freunde, keine Besonderheiten. Den Großteil ihrer Zeit verbringt sie damit, sich um Dannys behinderte kleine Schwester Alice zu kümmern. Sie ist angepasst und äußert nur selten eine eigene Meinung – nur wenig Identifikationsmöglichkeiten für lesende Teenager also.

Leider bleiben alle Figuren so blass. Über die Umrisse geht die Charakterisierung an keiner Stelle hinaus. So wird an keiner Stelle deutlich, was die am Down-Syndrom erkrankte Alice von gesunden Kindern unterscheidet: Jeder liebt sie, der Alltag mit ihr ist offensichtlich total unproblematisch – wozu dann überhaupt die Erwähnung ihrer Behinderung?

Es dauert geschlagene 150 Seiten, bis überhaupt mal ein bisschen Spannung aufkommt. Plötzlich ist Danny nämlich wieder da. Aber alle Hoffnung, dass die Story nun in Fahrt kommt, bleibt vergebens. Danny ist seltsam, verhält sich verdächtig, hat sich auch äußerlich sehr verändert. Fast schon mit dem Holzhammer wird der Leser auf die Spur gebracht, dass dieser Danny nicht derselbe ist, der vor drei Jahren verschwunden ist, und man wundert sich bloß, warum seine engsten Angehörigen (mit Ausnahme der kleinen Alice und des Familienhundes) das nicht kapieren.

Weitere zähe 130 Seiten später findet auch Hannah endlich die notwendigen Beweise: Der angebliche Danny ist ein Schwindler. Man hofft also zumindest auf ein grandioses Finale, eine tolle Geschichte, die hinter diesem Lügenspiel steckt – und wird erneut enttäuscht. Die Auflösung ist so haarsträubend unrealistisch, platt und konstruiert, dass man sich eigentlich nur über die vergeudete Zeit ärgern kann.

Emma Haughton: Mein fremder Freund, cbj-Verlag, 348 Seiten, 8,99 Euro