Mittwoch, 27. Januar 2016

Diana Hillebrand: Heute schon geschrieben?


Dieser zweibändige Schreibratgeber aus dem Uschtrin Verlag deckt so ziemlich alle Themen ab, denen Autoren im Laufe ihres schreibenden Lebens irgendwann einmal gegenüberstehen. Im ersten Band geht es um das Handwerk des Schreibens, von der Ideenfindung angefangen bis zum Schreiben lebendiger Dialoge. Der zweite Band befasst sich dann überwiegend mit dem Weg vom Manuskript zum fertigen Buch und berücksichtigt Fragen wie Verlagssuche und Marketing.

Jedes der zehn Kapitel enthält mehrere praktische Schreibübungen, mit denen oft auf spielerische Weise das Gelernte vertieft, gefestigt und angewendet werden kann, denn gutes Schreiben hat schließlich immer auch viel mit Erfahrung zu tun.

Ergänzt hat Diana Hillebrand ihre Tipps durch eigene Kurzgeschichten und sogar durch einen „Fortsetzungsroman“, der sich durch beide Bände zieht und mit Randbemerkungen zum technischen Vorgehen der Autorin versehen ist. Diese eigenen Texte sind Geschmackssache – Hillebrand erhebt nicht den Anspruch, große Literatur zu schreiben, sondern ist eher im Unterhaltungsroman- und Chicklit-Genre zu Hause. Immerhin erfüllen die Beispiele ihren Zweck und verdeutlichen noch einmal ausgewählte Bestandteile des theoretischen Fundaments.

Viele der Übungen eignen sich auch für die Arbeit in Gruppen, sei es an Autorenschulen oder in Text- und Schreibwerkstätten. Und da die Kapitel immer kurz und prägnant gestaltet sind, kann man bei solchen Anlässen auch das eine oder andere vorlesen, zum Beispiel wenn es um Erzählperspektive oder Überarbeitung geht. Manches setzt auf einem sehr niedrigen Niveau an und ist mehr für Anfänger geeignet, aber auch Profi-Autoren finden hier noch einige Tipps und Anregungen.

Schade, dass es kein Schlagwortverzeichnis gibt, mit dem man sich rasch orientieren könnte, denn bestimmte Themen werden mehrfach aufgegriffen und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Gerade fortgeschrittenen Autoren, die nach konkreten Problemlösungen suchen, würde das die Handhabung erleichtern. Vielleicht eine Anregung für eine spätere Neuauflage?

Die beiden Bände sind überaus liebevoll und sehr aufwendig gestaltet, sowohl innen wie außen. Man nimmt sie gerne zur Hand, und sofern man keine Scheu vor poppigen Farben hat, machen sie auch im Bücherregal eine gute Figur. Die Illustrationen haben mir persönlich nicht gefallen, weil ich sie allzu skizzenhaft und angedeutet fand, was in einem merkwürdigen Kontrast zu den sehr konkreten Inhalten steht, doch auch hier kann man sicher geteilter Meinung sein. Ganz sicher ist der Preis von 39,98 Euro für beide Bände gerechtfertigt.

Diana Hillebrand: Heute schon geschrieben? Gesamtedition (2 Bände), Uschtrin Verlag 2015, 39,98 Euro


Sonntag, 24. Januar 2016

Tatort Wartenberg: Carl-Peter Steinmann liest zur „Blauen Stunde“

Die „Blaue Stunde“, das ist jene nachmittägliche Dämmerzeit, in der das Tageslicht schwindet und die ersten Lampen eingeschaltet werden. An klaren Tagen leuchtet der Himmel um diese Zeit in einer besonders intensiven Farbe.

In der Kommunalen Begegnungsstätte Wartenberg ist die „Blaue Stunde“ zum Prinzip geworden. An jedem dritten Donnerstag im Monat um 15.30 Uhr wird hier ein besonderer Tee aus edlem Porzellan angeboten, und selbst gebackener Kuchen rundet den Genuss ab.



Eigentlicher Höhepunkt der „Blauen Stunde“ ist jedoch die Literatur. Wechselnde Autoren aus Berlin und Umgebung stellen ihre literarischen Werke vor. Im Januar war dies Carl-Peter Steinmann, selbst ernannter Berlin(ver)führer und Autor zahlreicher Bücher mit regionalem Schwerpunkt.



Der Stadthistoriker befasst sich mit jenen Anekdoten, Legenden und Geschichten, die Berlin sein unverwechselbares Gesicht gegeben haben. In seinem 2009 beim Transit Verlag erschienen Buch „TatOrt Berlin“ geht es um berühmte Berliner Kriminalfälle, deren Hintergründe er sorgfältig recherchiert hat. Aus diesem Buch gab Steinmann in der gut besuchten Begegnungsstätte einige Kostproben.

So zum Beispiel die Geschichte der „Hertie-Knacker“ Peschel und Herndl, die im Jahre 1965 einen sehr cleveren Plan ausgeklügelt hatten, das Warenhaus an der Wilmersdorfer Straße um seine Tresorschätze zu erleichtern. Für ihren mehrtägigen Coup wählten sie nicht nur den Tag vor Christi Himmelfahrt, sondern auch noch den des Staatsbesuchs von Königin Elizabeth II., wodurch die Polizei hinlänglich abgelenkt war.

Die beiden Männer kletterten durch ein Fenster in das Warenhaus und schlugen dort im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zelte auf, denn es dauerte mehrere Tage – ein langes Wochenende –, bis sie den Tresor aufgeschweißt hatten. In der Zwischenzeit machten sie es sich auf Campingliegen gemütlich, und da Hertie auch über eine Lebensmittelabteilung verfügt, mangelte es ihnen an nichts.

Ihr Lohn: 470.000 Mark, ganz überwiegend in Lohntüten vorverpackt, denn der Zahltag für die Hertie-Mitarbeiter stand unmittelbar bevor. Mit dem Geld wollten die beiden Tresorknacker sich nach Brasilien absetzen – und beinahe wäre ihr Plan auch aufgegangen, hätten sie nicht einen einzigen dummen Fingerabdruck an der „ausgeborgten“ Kaffeemaschine übersehen.



Dies war nur einer von drei Kriminalfällen, die Carl-Peter Steinmann zu dieser „Blauen Stunde“ aus seinem Buch vorlas, und gerne hätte man noch weitere gehört, denn schließlich geht es darin immer um den Berlinern wohlbekannte Orte, so zum Beispiel die Rennbahn in Karlshorst oder das Café Kranzler am Tauentzien. Steinmann hat nicht nur trockene Fakten gesammelt, sondern versteht es, die historischen Fälle durch amüsante Details lebendig zu machen.


Köstlicher Walnuss-Tee und ein hervorragender Mohnkuchen trugen mit dazu bei, dass diese „Blaue Stunde“ als überaus gelungen betrachtet werden kann – und dass man höchst gespannt auf alle folgenden ist.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Lesung in der Schwartzschen Villa

Am Freitag, 15. Januar, stelle ich meinen jüngsten Roman "Grenzverletzungen" vor.

Es geht um Cosmo, einen ebenso charmanten wie anstrengenden Borderliner mit großem künstlerischem Talent, und seinen besten Freund Johannes, der als sein "Erlöser" total überfordert ist und seine Loyalität beinahe mit dem Leben bezahlt.




Schwartzsche Villa, Grunewaldstr. 55, 12165 Berlin-Steglitz

Beginn: 19.30 Uhr. Moderation: Inge Beer.

Der Eintritt ist frei!


Dienstag, 12. Januar 2016

Magie der Farben - Matthias Hartjes Bilder im Kulturforum Hellersdorf

Matthias Hartje durfte nicht malen. Er durfte auch keine Geschichten schreiben. Wann immer der Vater ihn oder die beiden Brüder bei der Ausübung künstlerischer Tätigkeiten erwischte, gab es Prügel.

Also erlernte Hartje einen „ordentlichen“ Beruf. Er wurde erst Filmkopierer, dann Druckformhersteller. Nach dem Zusammenbruch der DDR arbeitete er im Sicherheitsdienst und wurde später in der Altenbetreuung tätig, speziell in der Arbeit mit Demenzkranken.

Der heute 55-Jährige erkannte irgendwann, dass der künstlerische Ausdruck zu seinem Leben gehört und sich nicht unterdrücken lässt. Die aufgestauten Worte und Bilder brachen sich Bahn – inzwischen hat er 20 Bücher geschrieben und und über 1400 Gemälde und Zeichnungen angefertigt.



Im Kulturforum Hellersdorf wurde am Montag eine Ausstellung dieser Bilder eröffnet – naturgemäß keine vollständige Werkschau, sondern in erster Linie eine Zusammenstellung jüngerer Exponate. Den musikalischen Rahmen schufen Peter Lück (Gitarre) und Ron Kessel (Saxofon), die mit sanften Klängen für poetische Stimmung sorgten. Die Laudatio hielt der Hartjes langjähriger Lektor Rainer Stecher.



Mit Acrylfarben, Aquarellstiften und dreidimensionalen Strukturen aus Ton erzeugt Hartje sehr farbenfrohe, psychedelische Bilder, die oft eine hypnotisch-magische Wirkung auf den Betrachter ausüben. Er drücke damit aus, was schwer in Worte zu fassen ist, sagt der Künstler. Für jedes Thema, jedes Motiv entwickle er eine neue Formsprache. „Im Malen verliert man die Angst.“

Angst, Einsamkeit, Verlorenheit sind Themen, die er in seinen Bildern umsetzt, aber auch Freude, Weiterentwicklung oder Poesie. Alltägliche Erlebnisse oder Situationen können Auslöser sein für ein neues Bild.

Im Mittelpunkt steht immer die Farbe und ihr Zusammenspiel mit der Form, sei es in organischen oder in geometrischen Strukturen.


Seine Bilder bekommen keine Namen. Stattdessen sind sie in der Ausstellung mit kleinen Begleittexten versehen, die über Kunst, ihre Rezeption und ihre Wirkung reflektieren. Einer davon stellt zum Beispiel die Frage, ob die Formate des Gemäldes irgendeine Bedeutung hätten für den Wunsch, es zu besitzen. Ein anderer thematisiert den Zusammenhang zwischen der persönlichen Stimmung und dem Effekt, den das Bild auf den Betrachter hat - wenn es heute nicht gefalle, sei das morgen vielleicht schon wieder anders. 

„Ich möchte, dass die Betrachter die Details wahrnehmen“, sagt Hartje. „Man kann ein Bild lange ansehen und immer wieder etwas Neues entdecken.“


Etwaige Reminiszenzen beispielsweise an Paul Klee oder Wassily Kandinsky, die man hinter einigen der Gemälde vermuten könnte, sind nicht geplant. Matthias Hartje will ich ganz bewusst nicht von anderen Malern beeinflussen lassen, denn die Malerei ist für ihn radikal subjektiv und soll sein persönlichstes Inneres transportieren.

Bis zum 29. Februar kann die Ausstellung im Kulturforum Hellersdorf noch besucht werden. Der Eintritt ist frei.