Montag, 26. Juni 2017

Schreibnomaden und Hausautoren

Viele meiner Kolleginnen und Kollegen brauchen nichts weiter als einen Laptop und eine Sitzfläche – sie können überall schreiben, sei es in der U7 Richtung Rudow, auf einer Bank am Landwehrkanal oder bei einem Konga Sedie am Rosenthaler Platz.

Ich bewundere und beneide euch. Es ist bestimmt großartig, so frei und ungebunden zu sein. Ihr könnt der Welt zeigen, was für kreative Köpfe ihr seid, und werdet alle paar Tage von Literaturscouts oder Filmproduzenten angesprochen und um eine Log Line gebeten.

So was hätte ich natürlich auch gern. Aber zwei Gründe sind es, die mich zum Schreiben in die Abgeschiedenheit treiben.

  • Was für Hardcore-Gamer selbstverständlich ist – spezielle ergonomische Tastaturen, Mäuse und so weiter, um den Anforderungen mehrstündiger Computersitzungen gewachsen zu sein –, sollten sich auch Schriftsteller gönnen. Immerhin verbringen viele von uns den gesamten Arbeitstag und manchmal noch die halbe Nacht am PC. Da wir alle keine üppige Rente zu erwarten haben, müssen wir Augen, Rücken und Gelenke so lange wie möglich funktionsfähig erhalten. Meine Zukunftsplanung sieht vor, bis zum Jahr 2050 zu arbeiten, um dann vor dem Bildschirm einzuschlafen und nicht wieder aufzuwachen.
  • Der Gedanke, dass mir jemand beim Schreiben über die Schulter schaut und Teile meines unfertigen Manuskripts liest, lässt meine Kreativität schlagartig versiegen. Das ist nicht die Angst vor dem Ideenklau, sondern wohl eher die Furcht vor der Selbstentblößung oder vielleicht auch ein gewisser Kontrollzwang. Wer wann einen Blick in mein Innerstes wirft, das möchte ich doch gerne selbst entscheiden. Und nichts ist intimer als ein im Werden begriffener Roman.


Also ziehe ich zum Schreiben nicht mit meinem Notebook durch die Lande, sondern mich in mein Refugium zurück, das mir den Komfort eines ganz persönlich auf mich abgestimmten Arbeitsplatzes und die Gewissheit des Alleinseins garantiert.

Meist ist das der Schreibtisch in meiner Wohnung, mit direktem Blick auf die Magnetwand, an der die Bilder meiner Romanfiguren hängen: maximale Inspiration.


Manchmal schreibe ich auch im Literaturlabor Berlin, insbesondere wenn ich den Unterricht für eines meiner Seminare vorbereite.


Und an sonnigen Tagen steht mir noch die Open-Air-Variante zur Verfügung, die sich besonders für Übersetzungen, Lektorat und Netzwerkarbeit eignet.


Im ICE nach Frankfurt werde ich mir die Zeit also weiterhin eher mit Lesen als mit kreativer Arbeit vertreiben, aber wie und wo andere Autorinnen und Autoren ihre Bücher entstehen lassen, interessiert mich sehr. Danke an Ricarda Howe für die Anregung zu dieser Schreibzimmer-Blogparade!