Donnerstag, 28. Dezember 2017

Smart Storys - Literatur für die Bahnsteigkante




Was machst du, wenn der Zug erst in 17 Minuten kommt, wenn du im Café auf deine Freunde wartest oder vor dem Postschalter in der Schlange stehst? Wie beschäftigst du dich im Wartezimmer deines Hausarztes oder während einer langweiligen Busfahrt?



Lesen ist eine gute Lösung, allerdings hast du nicht immer ein Buch dabei – oder du möchtest dich nicht zwischen Tür und Bahnsteigkante in einen 500-Seiten-Roman vertiefen.



Inzwischen gibt es eine Reihe von Kurzgeschichten-Apps für mobile Endgeräte, die diesem Dilemma abhelfen sollen. Die meisten davon haben allerdings zwei entscheidende Mängel:

  1. Die angebotenen Texte unterliegen keinerlei Qualitätskontrolle, weil jeder seine Hobbyschreibversuche unlektoriert hochladen kann. Sowohl thematisch als auch stilistisch haben sie nur wenig Überraschendes oder gar Anregendes zu bieten. Solltest du Wert auf Orthografie und Zeichensetzung legen, könnten sie deinen Blutdruck in schwindelnde Höhen treiben.
  2. Du weißt nicht im Voraus, wie lange du für das Lesen einer Geschichte brauchst, ob du also bis zum Erreichen deiner Zielhaltestelle mit der Lektüre fertig wirst. Unter Umständen wirst du nie erfahren, ob die schüchterne, wunderschöne junge Frau den gut aussehenden, erfolgreichen Mann kriegt – allerdings ist das im Grunde auch nicht so wichtig (siehe Punkt 1).


Der österreichische Smart Storys Verlag ist jetzt mit einer App an den Markt gegangen, die genau hier ansetzt. Er bietet anspruchsvolle Literatur anstelle von dilettantischer Fanfiction: Die über 700 Texte wurden mit größter Sorgfalt ausgewählt und lektoriert. Sie müssen bestimmte Kriterien wie Kreativität und Originalität erfüllen und dürfen gerne auch kritisch sein oder das Denken herausfordern. Bloße Unterhaltung kann man überall bekommen – Smart Storys will den Horizont der Lesenden erweitern und ihnen einen außergewöhnlichen Blickwinkel eröffnen.



Zur Auswahl stehen Texte von unter 5 oder unter 15 Minuten Lesedauer. Du bestimmst im Vorfeld, wie viel Zeit du aufwenden möchtest, und die App gewährleistet, dass du die Geschichte eine normale Lesegeschwindigkeit vorausgesetzt in diesem Zeitrahmen zu Ende lesen kannst.



Die Texte werden per Zufallsgenerator aufgerufen. Jedes Mal zeigt dir die App eine neue Kurzgeschichte an. So kannst du auf literarische Entdeckungsreise gehen, und zwar beliebig oft. Dir werden Themen und Autor(inn)en präsentiert, denen du sonst vielleicht niemals begegnet wärst, und anstelle vorkonfektionierter Massenware erhältst du eine handverlesene Kollektion sprachlich und inhaltlich anspruchsvoller kleiner Schmuckstücke.

Ständig wird das Angebot um weitere Geschichten erweitert. Die Autor(inn)en haben einen Verlagsvertrag und werden an den Umsätzen beteiligt; sie behalten die Druckrechte. Ein Link unter ihrem Text führt zu ihrer Vita und/oder auf ihre Website, sie können also durch die Kurzgeschichten auf sich und ihre weitere literarische Arbeit aufmerksam machen.

Die Smart-Storys-App für Smartphone, Tablet oder Laptop, eine Liste der beteiligten Autor(inn)en und Informationen zur Einreichung eigener Texte erhältst du hier: www.smartstorys.at.

Du hast es sicher schon geahnt: Auch ich habe eine Kurzgeschichte zum Literaturangebot von Smart Storys beigesteuert. Sie trägt den Titel Kontrolle.

Überraschenderweise geht es darin allerdings nicht um Schwarzfahrer.



Samstag, 16. Dezember 2017

Literaturporträt: Alice Gabathuler

Foto: Anastasia Kontoulis Delogu
Die Schweizer Autorin Alice Gabathuler ist durch eine Reihe von Jugendbüchern bekannt, in denen sie mit feinem psychologischen Gespür brandaktuelle Themen aufgreift und diese dann in eine spannende (Thriller-)Handlung verpackt. Kein Wunder, dass sie von einer Lesung zur nächsten geradezu weitergereicht wird!

(c) Alice Gabathuler


Seit kurzem ist sie auch als Verlegerin tätig und hat sich damit einen lang gehegten Traum erfüllt.

Wie sie es schafft, trotzdem noch ständig neue Romane zu schreiben, bleibt ihr Geheimnis - jedenfalls ist erst vor wenigen Monaten "Hundert Lügen" bei Thienemann erschienen.

(c) Alice Gabathuler



Die Buchstaben meines Vornamens stehen für folgende Eigenschaften:


Allzeitneugierig
Lebensfroh
Integer
Chaotisch
Emotional


Diese drei Dinge habe ich gestern gelernt oder erfahren:


  1. Mein Kopf kann definitiv das Wetter vorhersagen (was bei Föhnsturm und Schneefall doppelt weh tut).
  2. Ich bin von wundervollen Menschen umgeben.
  3. Ich habe das mit dem „Vormichherschieben“ immer noch nicht im Griff und werde es wohl auch nie in den Griff bekommen.


Diese drei Dinge zaubern mir zuverlässig ein Lächeln aufs Gesicht:


  1. Schöne Landschaften
  2. Witzige Texte
  3. Der Anblick unserer wunderbar ungenormten Kinder samt Anhang


Hier bin ich am allerliebsten:


Ui, das ist schwierig. Ich habe zwei Lieblingsorte: Schottland und das Val Lumnezia in der Schweiz. Ich häng dann mal ein Schottlandfoto an. Isle of Skye, meine Lieblingsinsel und gleichzeitig ein Schauplatz der Reihe Lost Souls Ltd.

(c) Alice Gabathuler


Dafür bin ich dankbar:


  • Meine Familie.
  • All die Jungs und die Mädels, die meine Lesungen besuchen und mir immer wieder klar vor Augen führen, warum und für wen ich schreibe. Sie sind eine riesige Energiequelle!
  • Meinen beiden Kollegen Tom Zai und Stephan Sigg, die mit mir zusammen den da bux Verlag gegründet haben und damit meinen Traum erfüllt haben, in einer Band zu spielen. Wir rocken Bücher, und das so richtig und richtig gerne.


Mein derzeitiges Herzensprojekt ist:


Im Augenblick fließt ganz viel meiner Energie und meines Herzblutes in die Eröffnung einer Galerie mit Schweizer Kinder- und Jugendbüchern im Val Lumnezia in den Schweizer Bergen. Und um Berge geht es auch in meinem Schreib-Herzensprojekt: Ich habe mir für mein nächstes Jugendbuch ein ganz spezielles Thema ausgesucht und freue mich darauf, es zu schreiben. Womit ich sehr elegant einen Weg gefunden habe, meinen zweiten Lieblingsort, das Val Lumnezia ebenfalls mit einem Bild vorstellen zu können.

(c) Alice Gabathuler




Freitag, 1. Dezember 2017

Literaturporträt: Christine Korte


(c) Christine Korte

Mit einem Porträt von Christine Korte beginnt die neue Blogserie Literaturporträts. Die Gymnasiallehrerin lebt in Ostfriesland und ist Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband. Sie schreibt Gedichte, Kurzgeschichten, Abiturreden, Weihnachtsbriefe, WhatsApp-Nachrichten und gelegentlich auch Romane.

(c) Geest-Verlag

Am 20. Oktober ist im Geest-Verlag Christine Kortes erster Roman Tannenzwei erschienen. Die Buchpremiere in ihrer Heimatstadt Aurich war so erfolgreich, dass schon wenig später eine zweite Auflage gedruckt werden musste.


Die Buchstaben meines Vornamens stehen für folgende Eigenschaften:


Charmant 
Humorvoll
Realistisch 
Integer 
Selbstwirksam 
Tapfer
Interessiert 
Natürlich
Eloquent

Diese drei Dinge habe ich gestern gelernt oder erfahren:


1. Es ist total schön, nach einer ermüdenden Grippe-Woche wieder zur Arbeit gehen zu können.
2. Steve Jobs hat bereits nach dem ersten Semester sein Studium geschmissen.
3. Ich muss geduldig sein. Noch geduldiger.

Diese drei Dinge zaubern mir zuverlässig ein Lächeln aufs Gesicht:


  • der Blick meines Hundes Lisca, kurz bevor der Mann im Käsewagen auf dem Auricher Wochenmarkt eine Scheibe Gouda über die Theke wirft
  • Downton Abbey, the one and only Lieblingsserie
  • Abiturentlassungsfeiern

Hier bin ich am allerliebsten:


(c) Christine Korte


zu Hause in Ostfriesland


Dafür bin ich dankbar:


  • das Glück meines Sohnes,
  • am Leben zu sein,
  • dass mein anstrengender Beruf als Lehrerin so viel Glück für mich bedeutet,
  • Kreativität,
  • Käse, Äpfel,
  • Ostfriesland,
  • Freiheit, Demokratie, Recht, Frieden.

Mein derzeitiges Herzensprojekt ist:



ein zweiter Roman